Der erste Tag

Sooo dann ging es also richtig los, der erste Tag. Ich hab schnell was gefrühstückt und schon konnten wir starten. Die Mahlzeiten laufen hier so ab, dass ich mich in der Küche einfach selbst bedienen soll. Nur Abendessen gibt’s gemeinsam mit der ganzen Mannschaft, alles andere isst jeder verstreut über den Tag für sich. Bei dem Aufwand den es braucht um alle Kids an einen Tisch zu bringen ein absolut legitimes Vorgehen!

Axel hat noch geschlafen, er war bis 5 Uhr morgens wach. Er hat mit Vala unter anderem zur Mitternachtssonne seine Drohne fliegen lassen. Die beiden sind nämlich so cool und modern, sich ne richtig fette Drohne zu leisten. Zum Schafe eintreiben. Hat ne Reichweite von 7 km. Damit können sie entspannt von der Couch aus die Schafe von einer Weide zur nächsten treiben 🙂 Ich hab dann einfach schonmal die Schafe gefüttert, und die mega süßen Lämmer. Zwei davon sind Waisen, und ich hab sie mit der Flasche gefüttert.

Mit dabei war Otgar, der mir nicht mehr von der Seite gewischen ist seit ich ihn am Nachmittag zuvor so lange gestreichelt habe. Otgar hat keine Hemmungen sich selbst im Schafsstall vor mir aufforderungsvoll auf den Rücken zu werfen, alle viere von sich zu strecken und darauf zu warten gekrault zu werden. Ich mag ihn. Er folgt mir fast den ganzen Tag auf Schritt und Tritt.

Endlich durfte ich auch die Pickups fahren. Geiiiel!!! Der Truck den man da sieht hat Axel auch vom Schrott, das ist sein Haus- und Hofwagen. Damit fährt er auf der Farm herum um von A nach B zu kommen. Coole Kache, mit Unterbodenpanoramafunktion. Wenn man die Fußmatten anhebt sieht man die Beschaffenheit des Bodens über den man heizt 😀

Heute haben wir angefangen einen der drei Schafsställe zu reinigen. Die Schafe sind jetzt fast alle auf der Weide für den Sommer. Axel drückt sich sichtlich vor dieser Aufgabe. Oh, ein kaputtes Auto zu reparieren. Oh, noch mehr Dünger streuen. Oh Paul, did you already had coffee? Hahaha, das ist wirklich witzig mit anzusehen. Doch dann haben wir uns aufgerappelt und haben uns mit Schaufel und Hochdruckreiniger ans Werk gemacht:

Vorher
Nachher
Einer von uns musste zur Mittagspause duschen um ins Haus zu dürfen 😛

Wir haben echt gut rangeklotzt, und ich glaube Axel hat gemerkt dass ich gerne hart arbeite. Er meinte nach dem Mittag, dass wir schon ziemlich weit seien. Ob ich nicht Lust hätte am Nachmittag mit Johan ein paar Pferde mit dem Trailer auf eine weiter entfernt liegende Weide zu bringen. Er würde alleine mit dem Stall weiter machen. Mega cool!

Also hab ich mit Johan 7 Einjährige eingeladen. Dabei sind mir mega viele Seemannsknoten an den diversen Stricken hier am Hof aufgefallen. Ahaa, Axel ist mal zur See gefahren. Wow! Ich erzähle ihm von meiner ehemaligen Yacht und dass ich darauf gewohnt habe. Und schwupps, wieder ne Stunde lang was zu schnacken gehabt. Dann ging es los zu einer verlassenen Farm in den Bergen, deren Wiesen Johan nutzen darf. By the way, Johan ist der Pferdemensch hier, züchtet halbprofessionell und verkauft seine Pferde nach ganz Europa. Ich habe ihn natürlich auf der ganzen Fahrt mega ausgequetscht was sein Pferdewissen angeht 🙂

Mit dem fetten Gespann waren wir unterwegs
Johan
Das muss so!

Zuerst sind wir den kompletten Weidezaun abgelaufen, und haben ihn auf Fehler geprüft. Die Pferde sollen den ganzen Sommer hier stehen ohne dass sich jemand um sie kümmert. Robuste Isländer eben.

Dann haben wir sie frei gelassen und sie sind davon galoppiert. Und weiter galoppiert. Und immer weiter galoppiert. Hä, war da nicht mal ein Zaun im Weg. Anscheinend nicht mehr, sie sind auf und davon. Ich werde ein bisschen unruhig und schaue Johan nervös an. Er verzieht keine Miene und starrt ihnen weiter nach. Erst als sie am Horizont verschwinden sagt er achselzuckend: Oh, jetzt sind sie weg. Hahaha, ich muss fast laut lachen. Diese entspannten Isländer!

Wir fahren ihnen hinterher und suchen sie. Im gestreckten Galopp und in dieser Suppe mussten wir gute 10 Minuten Ausschau halten bevor wir sie fanden. Aber sie dachten erst gar nicht daran anzuhalten. Immer weiter im Galopp. Wir sind ihnen dann einfach hinterher gefahren, Johan meinte: Die werden schon noch müde! Ja, nach ca. 20 km…

An der nächsten Farm wurden sie dann von den dortigen Weidezäunen aufgehalten. Wir haben sie langsam in Richtung Farmhaus getrieben, wo man das Gatter schließen konnte und sie somit gefangen waren. Ha! Dann haben wir erstmal ne Stunde auf Axel gewartet, da es zu zweit wohl ziemlich schief gegangen wäre sie einzufangen.

Doch wir haben es geschafft und sie zurück auf die Weide gebracht. Das Loch im Zaun war mächtig. Johan meinte dass sie wohl einen Elektroschock bekamen und durchgingen. Sie seien noch zu jung und müssten erst lernen was ein Elektrozaun ist. Jetzt wissen sie es.

Dann war der Arbeitstag auch schon vorbei und es gab Abendessen. Vala und Andrea waren arbeiten im Altenheim, also war Axel fürs Essen verantwortlich. Er meinte er hat keine Zeit für sowas und hat schmunzelnd und zur Freude der Jungs einen riesigen Pott Straciatella-Eis und typisch isländischen Quark auf den Tisch gestellt. Ein Hoch auf den Zuckerschock. Natürlich hat er es danach bereut, weil seine Jungs auf Zucker völlig aufgedreht waren und natürlich nicht ins Bett wollten 😀

An dem Abend hab ich endlich wieder mit meiner Hübschen geskypet und wir haben von eventuellen weiteren Reisemöglichkeiten geträumt. Und ich kann den Gedanken an diese Dschunke aus Flensburg nicht lassen. Es sind knappe zwei Wochen nonstop hierher bei gutem Wind, man könnte direkt neben der Farm ankern. Spannende Zeiten!

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