Voll ins Schwarze!!!

Ausnahmsweise hab ich mal nen Wecker gestellt, denn ich musste früh aufstehen um den Flieger um 8:40 zu erwischen. Bin erstmal im grauen Nieselregen zum Flughafen gelaufen. Schade, das wird wohl nichts mit der tollen Aussicht über Island. Man kann nicht alles haben.
Der Flughafen war winzig, richtig süß. Als ich zum einzigen Schalter marschierte, grinste mich die Frau dort an und meinte: „Congratulations, you have a private flight!“ A what? Private Flight? Yes, you are alone on this plane, we fly only for you. Niiiiiiiice, ich hab so lange auf meinen neuen Privatjet gewartet 😀
Trotz Regen und der somit fehlenden Aussicht auf die schöne Landschaft war es einfach der Hammer mit dieser zweimotorigen über den Wolken über die Wildnis Islands zu fliegen. Die Piloten fanden es auch irgendwie witzig dass sie nur für mich fliegen. Die Tür zum Fahrgastraum wurde glaub ich mal ausgehangen. Oder ist abgefallen. Ich hab mich ganz nach vorne gesetzt um den Piloten über die Schulter zu schauen. Einer muss ja aufpassen dass sie nicht gegen den nächsten Berg donnern. Kurz vorm Start drehte sich der Copilot zu mir um, grinste und sagte: „Welcome to your private flight, we are your captains today. Just do the same as in every airplane, you know, the safety stuff and so on. I’m sure you know how to fly. Enjoy, mate!“ Lässig.

Mein Rucksack 🙂

Ein Berg hat kurz durchgeschimmert.


Eigentlich war ein Zwischenstopp in Vepnafjördur oder so geplant, doch sie haben einfach erst in der Luft entschieden dass wir dort nicht hinfliegen. Da wäre eh keiner und das wäre den Sprit nicht wert 😀 Also gleich auf nach Þórshöfn (sprich Thorshövn, also der Hafen von Thor).

Meine Odyssee. Orange: Reykjavik. Rot: L-Farm. Gelb: Roadtrip mit Berghildur. Blau: Akureyri. Weiß: Flug nach Þórshöfn. Grün: Die Farm Gunnarsstadir.

Ankunft in Þórshöfn war um 10 in einem mega süßen kleinen Flugplatz. Vala wartete schon auf mich, obwohl wir ne Stunde zu früh waren durch die kurzfristige Fahrplanänderung. Sie hat das Flugzeug kommen sehen, und da hier nur dieses eine pro Tag kommt, dachte sie ich müsste da ja drin sein und wollte mich abholen. Wie aufmerksam von ihr, gleich mal sympathisch gemacht 🙂

Weil sie gerade auf dem Weg zur Stadt war, hat sie mich erst noch dort mit hingenommen. Wir haben ihren Sohn Omar (15) in einer Bar/Restaurant besucht. Er macht dort seine Ausbildung als Koch. Cooler Junge, sieht aus wie 15 aber ist eigentlich vom Kopf her schon erwachsen.
Dann waren wir noch bei Nick, dem die Bar gehört, Kaffee trinken. Da Omar gerade erst vor kurzem angefangen hat, wollte Nick seiner Mutter mal Rückmeldung geben. Easy.

Auf zur Farm! Die ist ein Traum. 3 Ställe, 5 Wohnhäuser, eine Blockhütte, mehrere diverse Gebäude und ringsherum 3000 ha Land. Ein Fluss fließt an der Farm vorbei, er mündet hinterm Pferdestall ins Meer. Ja genau, ein hauseigener Strand mit schwarzem Sand ist auch am Start. Ha!
Hier wohnen Axel und Vala – die Farmer – mit Andrea (19), Omar (15), Ragnar (7) und der unaussprechliche Segurbergur (5). Außerdem Johannes (Johan) und Fiona – der Großvater von Axel und seine Freundin, Siri – Axels Schwester – und ihr Mann, und Axels Onkel.

Die Blockhütte, mein neues Zuhause, nur für mich ❤

Wir haben erstmal ne Stunde Kaffee getrunken mit Axel und Vala. Mega lieb und sympathisch die beiden! Absoluter Volltreffer 🙂 Hab auch gleich mal die Kids kennengelernt, richtig süß, alle zusammen. Vorallem die Jungs sind richtige Wikinger, laut und wild und voller Energie! Und alle zutiefst anständig. Scheint eine tolle Familie zu sein.

Und ich habe eine eigene Blockhütte. Soooo krass. Mit Küche. Und Bad. Und richtig kuschligem Bett. Und roten Plüschsesseln. Nur für mich (und eventuelle Gäste von mir, die hier sehr willkommen sind. Das wurde extra betont! ). Ich bin im Himmel.Ich soll mich erstmal ausbreiten und wenn ich Lust hab kann ich später noch mit Axel raus.
Ganzschnell hatte ich alles abgeladen und war bereit die Farm zu erkunden und mit anzupacken. Los los los, ich war heiß!!!

Erst bisschen mit Axel herum gefahren in seinem Jeep, dann mit einem seiner mehr als 10 Traktoren irgendeinen Anhänger vom Feld abgeholt. Ja genau, richtig gehört. Mehr als 10 Traktoren. Ich musste erstmal schlucken. Doch dann meinte er, dass die meisten alt und verrostet seien. Und tatsächlich, auf jeder Weide stand ein Traktor, zugewuchert voller Gras, doch noch voll fahrtüchtig. Da kamen wohl Axels Mechanikergene durch, denn er fährt öfter zum Schrottplatz, holt sich alte Maschinen/ Autos/ Traktoren und macht sie wieder fahrtüchtig. Jedoch heißt fahrtüchtig nicht etwa, dass sie eine Straßenzulassung bekämen. Fahrtüchtig heißt, sie fahren vorwärts (wenn man den Gang reinbekommt). Wie praktisch, wenn man mit seinen Fahrzeugen seinen Hof und sein Gelände nie verlassen muss, Tschüss TÜV, Tschüss Nummernschild, Hallo Schrottschlossertraum. Drei größere Traktoren gibt es, der Johny fährt sich exakt wie der von meinem Vater.
Nach dem Schafe füttern sind wir mit zwei Traktoren nochmal raus und haben eine frisch umgegrabene Wiese mit Gras besät und gedüngt. Dabei hat Axel ziemlich schnell gemerkt dass ich seit ich 6 Jahre alt bin mit einem Traktor umgehen kann. Wie schön, schon fast Narrenfreiheit am ersten Tag 😛
Es war mega schön draussen im Feld. Otgar, der Hund, war bei mir und hat sich von mir hingebungsvoll graulen lassen während ich darauf gewartet habe dass Axel den Acker fertig bekommt und die Landschaft bewundert habe.

Danach war es noch recht früh, und Axel meinte ob ich noch Lust hätte was zu machen. Und wie!!! Also sollte ich das frisch gesäte Feld mit einer schweren Walze abrollen, um die Saat anzudrücken. Er würde schonmal zurück zur Farm fahren und anderen Shizel erledigen. Gesagt, getan, und schon bin ich über die Scholle geheizt. Opa Johan hat mich abgeholt als ich fertig war, weil man die Walze nicht alleine transportfähig machen konnte. Hab selten einen süßeren Opa gesehen.

Beim Abendessen meinte Axel dann mit großen Augen, dass ich einen neuen Rekord aufgestellt hätte. Noch nie hätte jemand so schnell diesen Acker gewalzt. Nicht mal Omar, und Omar fährt gerne Rennen. Nice! Hab gleich nach nem Pokal gefragt, doch es gab nur nen extra Nachschlag Erdbeerjoghurt.

Joa und dann haben wir über Musik geredet und es wurde es fast zu schön um wahr zu sein. Ob ich Musik spiele? Joa, hab mal vor langer Zeit 7 Jahre den Saxomax gemacht, klimpere ein bisschen auf der Gitarre und noch viel weniger auf dem Piano. Da grinst Axel, packt zwei Gitarren aus und reicht mir eine. Er hat mal als Barkeep gejobt und ist nebenbei in der Bar aufgetreten. Er, Andrea und ich jammen und singen zusammen. Unglaublich!

Was für eine wundervolle Familie, was für eine unglaubliche Farm und was für tolle Menschen. Ich kann mein Glück kaum realisieren.

Paul-Glück zum Anfassen!

4 Kommentare

  1. Fantastische Fotos, witzige Reiseerlebnisse…mach weiter so.
    Deine Beschreibungen erinnern mich an meine Jugendzeit. Mein erstes Abenteuer begann mit 17 Jahren. Ich reiste quer durch Großbritannien. Während dieser Reise habe ich viele interessante Menschen aus aller Welt kennengelernt.
    Eine Herausforderung für mich war die Metropole London. Ein Landei in einer quiriligen Millionenstadt :).
    Herzliche Grüße aus Frankfurt
    Bernhard

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