„Das Paradies der Erde …“

„… liegt auf dem Rücken der Pferde.“

Kann ich bestätigen, nach 9h im Sattel und 40 km durch die Berge hinter mir. Wow. Einfach nur wow. Besser als jedes Touri-Reiten, besser als Wandern, selbst besser als klettern in den Bergen. Das ist einfach nur unbeschreiblich schön!

Morgens sind wir mit der Cowboy und -girl Gang zum Gehege gefahren, wo wir die Pferde am Abend zuvor hingetrieben haben. Standesgemäß im Monster-Pickup. Natürlich. Es ist gar nicht so einfach ein Pferd auf offener Koppel zum Reiten einzufangen, wenn es die Freiheit gewohnt ist. Fix aufgesattelt, nicht lang gefackelt und auf geht’s. Lief schon wieder prächtig. Nach nicht mal 10 Minuten mussten wir einen Fluss an einer Furt durchqueren. Aaaaahrrgg. Aber die Isländer sind da nicht so, da wird nix erklärt, keine Hinweise gegeben wie das geht, einfach machen, wird schon schiefgehen. Gesagt getan, schief gegangen ist es nicht. Auch nicht bei den 20 weiteren Furten dieses Tages. Nach dem ersten Mal hat es sogar nen heiden Spaß gemacht, vorallem meine vierbeinige Freundin die Böschung hinauf gallopieren zu lassen 😀

Von den ersten zwei Stunden gibt’s keine Fotos vom Pferderücken aus, da war ich noch viel zu sehr aufs Reiten konzentriert. Vorallem, da man zur Kamerabedienung einhändig reiten muss. Aaaaaber… als wir dann tatsächlich über schwarzen Sand geritten sind, konnte ich es mir doch nicht verkneifen 🙂 Es hat funktioniert, es war’s wert und ich würde es wieder tun. Ach was, ich werde! So ein geiles Gefühl, mit einer Herde von 50 Pferden zu reiten. Vielleicht auch nur 30, aber gefühlt 1000000. Mega cool, wie die einem alle hinterher getrottet sind. Naja, fast alle. Den Rest musste man dann wieder einfangen. Dazu später mehr 🙂

Wir haben recht viel Pause gemacht, immer so 20 Minuten. Um die Pferde ausruhen zu lassen, und um im Gras zu liegen und das Leben zu genießen 🙂 Echtes Cowboy-Feeling. Wer hätte es gedacht, es hat sogar alle Vorstellungen aus Western übertroffen! Außer, dass wir statt cooler Cowboy-Hüte so ne ollen Reiterhelme getragen haben. Sonst wars perfekt 😛 In der längsten Pause zum Lunch hat der eine Farmer dann eine ganze gebratene Lammkeule ausgepackt, mit seinem Taschenmesser zerlegt und unter allen verteilt. Haufenweise Fleisch, genau das richtige für so nen anstrengenden Ritt. Und ein weiterer Punkt auf der Outdoor-Abenteuer-Skala!

Auch die Pferde haben die Pausen sichtlich genossen 🙂

Pause mit netter Gesellschaft. Das Pferd dass ich da habe, dessen unausprechlichen isländischen Namen ich mir natürlich gemerkt habe (natürlich!), war mega gut. Hat einfach alles gemacht was ich wollte, beinahe ohne Zügeleinsatz, nur durch den Kontakt meiner Beine und Hüfte. Richtig tolles Gefühl.

Es war alles dabei: durch Schnee, über Stock und Stein, Buckelpisten, schwarzer Sand, Felsen, Brücken, Schotterpisten, Grasland, Geröll.

Die ersten 6 Stunden bin ich vorne, vor der Herde, mitgeritten. Dort ist es am einfachsten, weil sich das eigene Pferd nicht von der Herde ablenken lässt. War auch mega hilfreich zum Lernen. Doch irgendwann wurd’s mir da zu langweilig, das Reiten lief wie am Schnürrchen. Die ständigen Wechsel der Gangart, also Schritt, Tölt, Trab, Skyr und Galopp, haben mich das ziemlich schnell lernen lassen. Dazu das Auf und Ab im Gelände gepaart mit der Dynamik der Herde. Oft haben sich 3 Takte Tölt, mit 5 Takten Galopp, dann 1 Takt Tölt, 4 Takte Schritt, 2 Takte Galopp, 8 Takte Skyr, und so weiter … miteinander abgewechselt. Steile Lernkurve. Es war ein tolles Gefühl, dass ich nicht mehr wie ein nasser Sack Kartoffeln von links nach rechts geschubst wurde, sondern die Takte und Schrittfolgen gespürt habe, und sich alles ganz harmonisch und fließend angefühlt hat 🙂 Wow! Am meisten Spaß hat natürlich der Galopp gemacht. Manchmal hab ich einfach mal den Gashahn aufgedreht 😛 😀 Auch der ständige Wechsel der Pferde (ich glaube ich hatte 5) tat sehr gut, und die verschiedenen Charaktere sind eindeutig zu spüren!

Ja genau, und plötzlich bin ich hinter der Herde mitgeritten. Weil ich zu langsam bei Aufsatteln war, und die Herde schon losgezogen ist 😀 Anyway, dann hab ich halt ne neue Herausforderung. Denn der Job hinten besteht darin, Ausreißer einzufangen und die Herde beisammen zu halten. Dazu muss man ganz oft den eh schon schmalen und kaum erkennbaren Trampelpfad verlassen und so richtig ins Geröll/Sumpf/ Grasland rein. Nach anfänglichen Bedenken lief das so gut, dass sich Joey hinten entspannt zurück gelehnt hat, und ich zusammen mit einer der Farmerstöchter die komplette Nachhut übernommen habe. So geil, es hat alles funktioniert, und plötzlich bin ich gar nicht mehr bewusst geritten. Ich musste mich ja voll auf die Herde konzentrieren, sie lesen, Ausreißer frühzeitig erkennen und sowas. Auf einmal bin ich unterbewusst geritten, und es hat funktioniert!!! Meeeeega cool 🙂

Ach ja, und Joey hat wohl gemerkt wie viel Spaß mir das Herde-Treiben vom Pferderücken aus macht, und hat mich erstmal zum Schafetreiben im September in den Bergen eingeladen. 3 Tage zu Pferd in die Wildnis, Schlafen in Nothütten im Fels, drinking and singing am Lagerfeuer und den ganzen Tag über Schafe schubsen, im Sitzen. Jaaaaaaaaaaaaaaa!!!! Ich hab ihn mega angestrahlt, das ist ein riesen Kompliment und wird ein richtiges Abenteuer 🙂

Runtergefallen bin ich übrigens nicht, worauf ich ziemlich stolz bin. Joey ist einmal direkt vor mir an einer Flussböschung gestürzt, und ich musste mega aufpassen ihn nicht über zu trampeln. Und die älteste Farmerstochter ist einmal völlig unaufmerksam durch ein Bündel Draht geritten, was natürlich dazu geführt hat dass ihr Gaul durchging. Aber beiden ist nichts weiter passiert. Glück gehabt!

Da sind wir kurz vorm Ziel.

Alles in Allem ein mehr als gelungener Tag! Ich war zwar den ganzen Tag mega schweigsam, weil von den Hinterwäldler-Cowboys keiner Englisch konnte (jedenfalls nicht mehr als drei Sätze, was jegliche Kommunikation mit mir recht fix beendete). Aber dafür hab ich halt die Herde angeschrien. Auch okay!

Was für ein Tag! Als Touri hätte ich sowas nicht erlebt, oder eine Menge Asche dafür hingelegt. Ich freu mich, genau den richtigen Weg für mich eingeschlagen zu haben. Am Sonntag geht’s weiter, zurück nach Gunnarstadir. Und wer wird dabei sein!? 😀

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