Northbound

Also wieder zurück an den Polarkreis. In den drei Tagen ist schon wieder so viel passiert, dass das einen eigenen Blogbeitrag verdient hat!

Im Bus zum Hamburger Flughafen habe ich erstmal mit Thomas telefoniert. Eventuell fliege ich für DW-ShipConsult nach Rimini und begleite die Probefahrt einer fetten Motoryacht. Das ist noch lange nicht in festen Tüchern, doch es wäre mega spannend und interessant! Ich hoffe dass wir das irgendwie hinbekommen.

Einen kleinen Herzinfarkt wäre die Vollsperrung der Autobahn kurz vor Hamburg wert gewesen. Deswegen kam mein Bus ne Stunde später am Flughafen an als geplant… Doch anscheinend hat die isländische Gelassenheit schon Spuren hinterlassen, denn ich bin ganz entspannt geblieben und war rechtzeitig am Gate.

Dort kam ich dann mit einer recht netten Dame ins Gespräch, die richtig begeistert davon war dass ich in Island auf einer Farm arbeite um nebenbei zu reiten. Ihre Tochter kam nach dem Abi und einem Jahr arbeiten auf Island mit 10.000€ in der Tasche zurück. Die Studiumsfinanzierung war gesichert! Sie war ein bisschen neidisch auf meine Ausritte, vor allem den Herdenabtrieb durch die Berge… Sie hatte ähnliches vor, 4 Tage mit einer Herde durch Südisland. Über eine Touri-Farm. Allerdings hat sie dafür wohl 2400€ hingeblättert. Man hab ich ein Glück! 😀

Als ich in Keflavik (Reykjavik’s außerhalb gelegener, internationaler Flughafen) ankam, hatte ich immer noch keine Unterkunft für die Nacht und nicht den leisesten Schimmer, wie ich denn nach Gunnarsstadir kommen sollte. Am Flughafen bin ich dann erstmal durch die Gegend getigert und habe nach einer Steckdose gesucht, denn der Saft war so gut wie alle. In der Zwischenzeit hab ich versucht mein Lieblingshostel in Reykjavik zu erreichen. Ans Telefon ging keiner, und online hatten sie keine freien Betten mehr. Fuuhhh… Jetzt ist wohl Hauptsaison!

Hab dann endlich ne Steckdose gefunden. Das war ne Zweiersteckdose, und am anderen Ende saß Lukas 🙂 Ich kam mit ihm ins Gespräch, er ist aus Österreich, mein Alter. Wir haben uns lange und ausführlich über seinen und meinen Islandaufenthalt unterhalten, über unsere vergangenen Reisen und die, die noch in der Zukunft liegen. Lukas war dabei abzureisen, und wollte die letzte Nacht in Flughafen schlafen. Good luck, mate! Überall Schilder von wegen Schlafen verboten… Doch er schafft das, da bin ich mir sicher 🙂 Er kam mir vor wie ein echter Lebenskünstler, und mega sympathisch war er auch!

Doch nachdem ich über eine Stunde am Airport verbracht habe, wollte ich mich doch mal um die weitere Reise kümmern. Axel war so lieb und hat schon alle seine Bekannten gefragt, ob denn jemand an dem Abend noch von Reykjavik aus nach Norden fährt. Fehlanzeige! Also musste ich wirklich ein Hostel finden. Auf den einschlägigen Websites war jedoch nix zu finden, alles ausgebucht. Doch plötzlich finde ich was über Google, der letzte Platz eines kleinen Hostels, ist wohl kurzfristig frei geworden. Und das beste: nur 18€!!! Für Island ist das ein wahres Schnäppchen 🙂 Also rein ins Airport-Shuttle und auf nach Reykjavik!!!

Diese Aussicht hat mir gefehlt… Fühlt sich fast schon vertraut und heimisch an 🙂

Das Hostel war ein inhabergeführtes, kleines, gemütliches Ding! Nix besonderes, aber irgendwie gemütlich.
Dort wollte ich mich am zurückgelassenen Essen des Free Food Regals genüsslich machen, da zu dieser Uhrzeit keine Supermärkte mehr offen haben. Jedenfalls keine bezahlbaren. Wie praktisch dass die Hostels in Reykjavik von so vielen abreisenden Backpackern aufgesucht werden, die natürlich ihre Lebensmittel nicht wieder mit zurück in ihr Heimatland nehmen wollen. Meine Kochlust hielt sich in Grenzen. Es sollten Spaghetti mit in Olivenöl angebratenem Koblauch geben. Als die Nudeln aufgesetzt waren, kam eine betagte langhaarige Hippie auf mich zu, streckte mir Olivenöl mit Knoblauchextrakt entgegen und meinte: Willste haben? Ich reise morgen ab. Geilo was für ein Zufall, das erspart mir allen weiteren Kochaufwand 😀 Drei Minuten später kam sie wieder und hielt mir zwei Gaskartuschen entgegen: Willste die auch haben? Ein bisschen was ist noch drin – Ey perfekt!!! Wollte ich eh kaufen, da Toni ihren Gaskocher mitbringen wird. So können wir morgens heißen Kaffee und nach einer Wanderung dampfende Suppe im Auto genießen. Während draußen die Schneestürme wüten 😛 Mit der Hippie-Dame hab ich mich dann noch unterhalten bis es so düster wurde dass man ahnte dass es nun Zeit zum Schlafen ist. Dunkel wird’s ja nicht. Die Frau war nett, aber auch irgendwie strange…

Am nächsten Morgen um 5 Uhr (!) antwortet jemand auf meine Anfrage einer Mitfahrgelegenheit. Axel hatte mich in die Island-interne Facebookgruppe eingeladen, in der Mitfahrgelegenheiten abgesprochen werden. Svala nahm mich mit, irgendwann um die Mittagszeit wollte sie los. Allerdings startete sie etwas außerhalb Reykjaviks, dort musste ich mit dem Bus hin. Doch erstmal entspannt Free Food Frühstück und oberkörperfrei in der warmen Morgensonne auf der Hostelterrasse chillen!

Dann kam etwas, was ich so gar nicht mehr gewohnt war und das mich überraschte. Herzklopfen beim Busfahren. Die Busfahrer der Öffentlichen konnten nämlich seltsamerweise alle kein Englisch, also bin ich gefühlt mitten ins Blaue gefahren. Ungutes Gefühl, wenn man auf einmal merkt wie aufgeschmissen man ohne Sprachkenntnisse ist. Bin dann doch noch rechtzeitig am vereinbarten Treffpunkt angekommen. Es war sogar noch so viel Zeit, um Proviant für die Fahrt und ein Mittagessen aus dem angrenzenden Supermarkt zu besorgen 🙂

Mittagessen des Tages

Dann ging’s los, mit Svalas kleinem Kia. Nach 10 Minuten Gespräch finden wir heraus, dass sie die Tochter einer Cousine einer Tante von Axel ist. Die Welt ist ein Dorf… Äh, Island ist ein Dorf! Wir haben uns ein wenig weiter unterhalten, doch ich hatte das Gefühl dass ihr eher zum schweigen und stur Auto fahren zumute war. Mir war’s recht, so konnte ich mehr die wunderschöne Landschaft bestaunen 🙂

Unterwegs ruft Axel an. Es gibt ein wichtiges Ersatzteil was auf meinem Weg liegt, ob ich das nicht mitbringen könnte. Dann fängt er an mir zu erklären wo und wie ich das finde. Stop stop stop, rufe ich, da sitzt jemand neben mir den du kennst und der du das viel besser auf isländisch erklären kannst. Ich gebe Svala mein Handy, und nach dem darauffolgenden Hallooo (Am I supposed to know you?? – Yes, I am the daughter of blaa… – What, you are?? – Yeeesss – Nooo – Yeeeeess – What a coincidence! How comes it is you that takes Paul to Akureyri – … … … sowas in der Art) erklärt Axel ihr wohin wir müssen. Also halten wir da fix an, und weiter geht’s. Svala nimmt auch noch Bücher von einer Bekannten für eine Freundin mit. Die müssen wir auch noch abholen. Das geschieht auf einem Parkplatz an der Ringstraße und gestaltet sich wie ein Drogendeal: Ein fetter SUV mit getönten Scheiben wartet dort, sie und der Typ steigen aus, sagen Hallo, er übergibt ein in Mülltüten gewickeltes Bündel, einsteigen weiter. Zum Glück hab ich gesehen dass es wirklich Bücher waren 😉

Akureyri rückt näher, und Axel sucht verzweifelt nach einer weiteren Mitfahrgelegenheit für mich von Akureyri nach Gunnarsstadir. Total lieb von ihm, das sind schließlich noch über 250 km.
Allerdings fahren wir abends in Akureyri ein, ohne weitere Mitfahrgelegenheit. Also ziehe ich ins Backpacker’s, auch hier war ich schonmal. Letztes Mal war jedoch noch Off-Season und Wochentags. Dieses Mal ist Hauptsaison und Samstagabend. Doch ich habe Glück und kann noch ein Schlafplatz in einem 8-Bett-Männerzimmer ergattern, in dem die Jungs die durchgeschwitzten Wanderklamotten überall zum trocknen aufgehangen haben. Sehr gut für’s Raumklima! Dazu kommt der angenehme Preis von 45€ pro Nacht. Man gönnt sich ja sonst nichts. Aber ich nehm’s gelassen, all das war es völlig Wert für die wunderschöne Woche mit Toni.
Eigentlich wäre das ein toller Abend um Leute in der Hostel-eigenen Bar kennen zu lernen und durch die Straßen Akureyri’s zu ziehen. Doch mein Kopf (und mein Herz, aawwwhhh… 😛 ) hängt noch in Kiel. Ich hab Heimweh nach Toni, und bin einfach mal überhaupt nicht in Soziallaune. Nagut, es ist wie es ist, kann man nix machen! Stattdessen verkrümel ich mich ins Bett und schaue „Ghost in the shell“.

Am nächsten Morgen haben Axel und ich immer noch keine weitere Mitfahrgelegenheit organisieren können. Also auf zur Tanke und Daumen raus!
Als ich dort ankomme ruft Axel an und fragt ob ich noch ein weiteres Ersatzteil für eine Nachbarfarm mitbringen könne. Klar, wird gemacht! Wir vereinbaren, dass mir ein Akureyrianer das Ding zur Tankstelle bringt.
Ich warte. Und warte. Und trinke Kaffee. Und warte. Und warte. Nach einer Stunde rufe ich Axel an um mal nachzuhören was Phase ist. Er ist überrascht dass ich überhaupt noch in Aku bin, und will gleich nochmal seinen Ersatzteil-Kontakt anrufen. Gesagt getan, die Rückmeldung ist, dass sie es nun doch per Luftpost schicken. Nagut, umsonst gewartet. Aber mit dieser Aussicht gibt’s auch Schlimmeres 🙂

Also wieder die alte Leier, obwohl ich schon wieder etwas aufgeregt bin bei der Aussicht aufs Trampen. Es ist doch immer noch eine kleine Hürde in mir, einfach irgendwelche Leute anzuschnacken und nach einer Mitfahrgelegenheit zu fragen. Egal, mega viele Leute winken und lachen mir zu, doch sind die Autos voll oder sie biegen kurz darauf ab. Ich wechsle meinen Standpunkt, stelle mich direkt an die Hauptstraße statt an die Tanke. Mehrere Leude halten an, doch sie fahren nicht in meine Richtung. Dann hält eine Omi an. Sie nennt irgendeinen Ortsnamen. Ich sage: Husavik? Sie erklärt irgendwas auf isländisch und winkt dass ich einsteigen soll. Ich zögere kurz, doch dann spring ich rein. Habe ein ungutes Gefühl. Die gute Frau ist vielleicht 80, fährt entsprechend und kommt mehrmals fast von der Straße ab. Englisch kann sie nicht. Oha, wo komme ich nur hin? Jedenfalls fahren wir in die richtige Richtung. Dann, oh Wunder, halten wir mitten im Nirgendwo an einer Abzweigung zu einer einsamen Farm an und ich werde hinauskomplimentiert. Sie will zu dieser Farm. Fuck, so eine Situation hatte ich doch schonmal ganz am Anfang: Hauptstraße ohne Haltemöglichkeit, und alle rasen mit 100 km/h vorbei. Nur, hier ist es nicht ganz so voll wie damals.
Bevor ich ernsthafte Zweifel bezüglich meines weiteren Reisefortschritts bekomme, hält auch schon ein Auto an. Ha! Das waren keine 30 Sekunden 🙂
Bernard, der holländische Südafrikaner, ist mir auf Anhieb sympathisch. Er interessiert sich sehr für meine Islandreise, meine vergangenen Abenteuer und was ich noch vor habe. Irgendwann frage ich ihn nach seinem Leben. Er ist der Manager des zweitgrößten Krankenhauses Islands, ist sein Leben lang gereist und seinen Träumen gefolgt. Hat den Kilimanjaro bestiegen und bereitet aktuell eine Reise zum Basecamp des Mount Everest vor. Hatte eine eigene Firma (Personaldienstleistung) in Südafrika, die er verkaufte als er in meinem Alter war um vom Erlös ein Jahr lang auf Reisen zu gehen. Erster Stopp: Island. Natürlich verliebt er sich dort gleich, heiratet und bekommt Kinder. Nach drei Jahren packt er die ganze Familie ein und zieht mit ihnen um die Welt. Bis irgendwann in ihm der Wunsch nach Sesshaftigkeit aufkommt und er sich dauerhaft in Island niederlässt. Er macht seinen Job weil er ihn liebt, nicht wegen des Geldes. Sein Toyota ist 20 Jahre alt und seine Klamotten sehen mehr nach Holzfäller als nach Manager aus. Dabei gehört er zu den Topverdienern Islands. Kommt wohl davon wenn man erkennt was einem wirklich wichtig ist. Er bittet mich, niemals aufzuhören meinen Träumen und Zielen zu folgen, seien sie auch noch so verrückt und außerhalb der Normalität. Denn es läge an jedem selbst sein Leben so zu gestalten dass es ihm gefällt.
Toller Typ! Hab ihn gleich mal gefragt, ob er noch Adoptionsanträge akzeptiert 😀
Wir verstehen uns prächtig, und ich hätte gerne länger mit ihm geschnackt. Doch 8 km vor Husavik muss er leider abbiegen, und ich aussteigen.

Die gleiche Situation wie zuvor, doch ich bin so am Strahlen wegen unserem Gespräch dass mir das völlig egal ist. Anscheinend zeigt das Wirkung, denn wieder hält jemand kurz darauf an. Zwei ältere Herren in lustigen Klamotten. Ich hätte auf Musiker getippt. Kein Englisch, doch es waren ja auch nur 8 km. Dann waren wir in Husavik, wo die beiden wohnen.

Während ich so an der Tankstelle warte, sehe ich unten am Hafen mehrere Traditionssegler vertäut liegen. Das sieht ziemlich malerisch aus. Ach was soll’s, weiter trampen kann ich auch später noch, jetzt wird erstmal zum Hafen getingelt.

Und dann sehe ich sie. Die eine. Die einzige Segelyacht weit und breit. Sofort erkenne ich, dass es eine Reinke Hydra ist. Eine richtig große, vielleicht 15m lang. Spannend, wie wird sie wohl hier her gekommen sein? Was bringt jemanden dazu nach Island zu segeln? Was hat sie für Geschichten zu erzählen? Mein Bauchgefühl sagt mir: Paul, los, sofort hin da!!! Ich tingel da also hin, und oh, da weht ja ein Adenauer am Heck 🙂 Und oh, sie sieht aus als wäre sie um die halbe Welt gereist. Überall an Deck sind Kanister, Boxen, schwere Leinen und Krimskrams vertäut. Das ist keine Schönwetteryacht, dieses Schiff ist ausgerüstet für lange Fahrt. Ich bin sofort verliebt und Feuer und Flamme.

Ich kann nicht anders und rufe einfach mal ein fröhliches „Hallooo?“ hinein. Heraus kommt Wolf, vielleicht 50, und grinst. Deutsch spricht er auch. Wir unterhalten uns und ich glaube er merkt wie begeistert ich von dem Boot bin. Ich werde gleich an Bord gebeten zum Schnacken. Er wohnt seit 30(!!!) Jahren an Bord, liegt mit seiner Hübschen und seiner Frau eigentlich in Patagonien. Da kommt er auch gerade her, ist von Chile nach Island gesegelt, mit kurzem Stop in Schottland, und gerade heute Morgen angekommen. Wooooooooooooooow!!! Der Junge hat einfach mal 3 Monate nonstop-Segeln durch den Atlantik hinter sich. Wie cool 😀 Und was macht er so? Finanziert seinen Lebensstil, indem er Touris auf seinem Boot mitnimmt. Aktuell hat er 10 Bergsteiger in Schottland aufgenommen, fährt mit ihnen morgen nach Grönland in eine einsame Bucht, dort gehen sie an Land und besteigen einen ganz bestimmten Berg. Der Klettertrip dauert zwei Wochen. Solange wartet er in der Bucht auf die Gruppe, und nimmt sie dann wieder mit zurück. Selbstvermarkteter Abenteuertourismus. Davon kann man sicher gut leben. So gut, dass er sich vor kurzem erst eine zweite Yacht gekauft hat, nochmal ein gutes Stück größer, um die 20 Meter. Die liegt jetzt in Chile bei seiner Frau, und dorthin fliegt er zurück nach seinem Grönland-Trip. Mit der großen Yacht macht er dann dort unten die Touri-Trips. Wow. Und die Yacht hier? Ja, die würde er gerne hier in Nordeuropa lassen und hier oben Touren anbieten. Island, Grönland, Schottland, Faröer, Nordkapp, Norwegen, sowas eben. Doch er kann sich nunmal nicht aufteilen. Deshalb sucht er dringend Skipper. Nunja, er hat einen vor sich sitzen 🙂 🙂 😀 Ob ich mir das zutrauen würde. Sicher, ohne mit der Wimper zu zucken. Noch nicht heute, auch nicht morgen, aber ab nächstem Jahr ganz sicher. Mein Winter wird vorraussichtlich auf eigenem Kiel und im Warmen verbracht 😉 Wir tauschen Nummern aus und er gibt mir seine Visitenkarte. Ich soll ihm eine Mail schreiben und meine Segelerfahrungen schildern. Ihm wäre es wichtig dass er mich als Skipper besser kennenlernen würde. Wahrscheinlich überführt er die Yacht nächstes Jahr von Schottland nach Island, das sind 10 Tage. Da könnte ich mitsegeln als Crew, Toni auch, und wir lernen das Schiff kennen, und er uns. Falls wir uns verstehen und auch er mir das zutraut, könnte ich nächsten Sommer die Törns in Nordeuropa fahren. Yes!!! Mein Leben läuft. Habe ich erwähnt dass ich es liebe? 🙂

Nach einer guten Stunde muss ich mich schweren Herzens lösen, und weiter trampen. Leichter gesagt als getan, denn ich stehe eine weitere geschlagene Stunde am Ortsausgang von Husavik, wo kaum einer lang fährt und noch weniger anhalten.

Schließlich nehmen mich zwei junge blonde Schwedinnen ein kleines Stück mit ins Nirgendwo. Die beiden waren echt mega nett, aber na toll… Wieder mal ausgesetzt im Nirgendwo warte ich eine weitere geschlagene Stunde und fange an zu frieren. Noch rund 200km, und es war 18 Uhr abends. Hab Lust anzukommen!

Endlich hält ein Auto, und ein brasilianisches Pärchen, was sich offensichtlich gerade in einer ernsten Beziehungskrise befindet, hält an. Sie fährt, und ich werde das Gefühl nicht los dass sie Ablenkung brauchte und mich deshalb eingesammelt hat. Eine etwas peinliche Situation. Die Gespräche sind holprig, und ich weiß nicht so recht was ich sagen soll. Ich erzähle dass ich des Reitens wegen in Island bin. Plötzlich sind beide mega interessiert, und wir unterhalten uns doch noch ganz vernünftig. Dann halten wir, diesmal wirklich mitten im Nirvana, es gibt nicht mal ne Abzweigung. Die beiden wollen umdrehen, zurück nach Husavik. Eigentlich wollten sie nur die Landschaft ein bisschen erkunden, und mich dabei so weit wie möglich mitnehmen. Nagut. Oha. Na das wird schon alles! Nur noch ca. 80 km…

Ich nutze die Zeit für Sprachnachrichten. Dabei bekomme ich gar nicht mit, dass ein Auto, welches eben noch an mir vorbei gedüst ist, 300m weiter anhält und auf mich wartet. Bis es hupt. Ich renne hin, wieder Schweden, zwei Jungs und ein Mädel, dürften gerade ihr Abi gemacht haben. Sie nehmen mich weitere 10 km mit bis zu einer Kreuzung. Dies ist die letzte Kreuzung vor Gunnarsstadir, noch 70 km.

Am Himmel ziehen sich die Wolken immer weiter zu und bekommen so eine eklig schwarze Farbe. Axel ruft an und fragt ob es schon regnet. Ermutigend! Er sagt er kennt jemanden, der in zwei Stunden hier vorbei kommt und mich mitnimmt, falls ich bis dahin noch nichts habe. Perfekt, damit ist der Druck raus. Plötzlich fährt Joey an mir vorbei, winkt und freut sich mich zu sehen. Ich ebenso 🙂 Leider fährt er mit vollbeladenem Pferdeanhänger in die falsche Richtung, weg von Gunnarsstadir. Sonst kommt hier aber auch nix mehr vorbei, und noch weniger hält an…

Bis auf einmal… Ein blauer Kombi hält und ich steige ein. Der Kerl kommt mir so bekannt vor, ich sag ihm das. Er so: Nee, du, ich kenn dich nicht. Doch dann kommt’s mir: Als ich letztens mit Axel’s Pickup in Thorshöft liegen geblieben bin, gab er mir Starthilfe. Wir erkennen uns und lachen. Friderik heißt er. Witziger Zufall 🙂

Dann kam der Regen und Nebel. Ach wie schön wieder im Hohen Norden zu sein. In Reykjavik scheint derweil die Sonne. In Kiel ist die Sonnencreme ausverkauft. Und bei Mainz verglüht man gerade bei 40°C. Aber hey, schön im Norden Islands zu sein, da hat man diese Probleme nicht!

Da! Endlich! Gunnarsstadir!!! 🙂
Ich werde herzlichst begrüßt, die beiden kleinen Jungs fallen mir um den Hals. Axel und ich umarmen uns, und läge Vala nicht mit Fieber im Bett würde ich das gleiche mit ihr machen. Schön wieder da zu sein, fühlt sich wie heimkommen an. Wir grillen und tauschen Geschichten der letzten Tage aus. Anscheinend war ich in genau der richtigen Woche weg, denn es hat hier nur geregnet sodass die Ernte nicht weitergehen konnte. Also hab ich nix verpasst und kann wieder voll mit anpacken, sobald das Wetter mitspielt. Es soll noch eine ganze weitere Woche regnen. Alle sagen dass dies mega mega ungewöhnlich sei, selbst für den nordisländischen Sommer.

Ach ich freu mich endlich wieder da zu sein, und bin glücklich 🙂

Irgendwann muss ich ins Bett. In meine Hütte zu kommen fühlt sich richtig gut an, mein kleines eigenes Zuhause. Auf Zeit. Vor der Abreise hatte ich das Bett frisch bezogen, und kam so nun in den Genuss des Einkuschelns in frische, wohlriechende Bettwäsche.

Was für ein Trip! Das Vorbereiten und Organisieren, die Reise nach Deutschland, die Zeit mit Toni, unser Segeltrip, die Odyssee zurück in den hohen Norden und die vielen Menschen die ich kennengelernt habe. Ich bin überwältigt von den Eindrücken der letzten Tage!

Ein Kommentar

  1. Moin Paul, ich habe eben deine Reise ein Stück begleitet und es glüht in meinem Kopf, der voll von Phantasiebildern ist. Du schilderst die Kreuzungen deiner Wege mit denen anderer Menschen wie Begegnungen auf dem Wochenmarkt. So viele spannende Menschen zu treffen sind schon besondere Momente.
    Danke für deine Schilderungen und viel Glück auf deiner Reise.
    LG Klaus

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