Das große Entenschubsen!

Am nächsten Morgen wurden wir zügig in Dörpen geschleust und erreichten nach 5 Kilometern die Kreuzung mit dem Dortmund-Ems-Kanal. Irgendwie ja auch nichts anderes als eine Kreuzung zweier Straßen, aber trotzdem verrückt. Und die Freude einen neuen Kanal erreicht zu haben ist definitiv größer als die Freude auf eine andere Straße abgebogen zu seien.

Auf dem Dortmund-Ems-Kanal erwarteten uns einige Schleusen, deutlich mehr Kurven und vieeele Enten! An den Seiten des Kanals sieht man oft die alten Emsarme, die leider viel zu flach für uns sind. Aber mit einem Kanu bestimmt ein schönes Naturerlebnis sind, so verschlafen und bewachsen wie sie aussehen.

Die Höhen, die die Schleusen überwinden müssen werden nun immer höher und beim Reinfahren in die leeren Schleusen kann es einem schon mal gruselig vorkommen. Ganz allein in der Schleusenkammer mit glitschigen hohen Wänden neben einem und Wassermassen, die während der Schleusung aus den Ecken kommen. Noch dazu ist jede Schleuse hier anders. Mal kommen die Schleusentore von unten nach oben aus dem Wasser gefahren, mal von oben nach unten, mal von links nach rechts oder mal von rechts nach links. Dann haben einige Schwimmpoller, an denen man sich nur befestigen muss und entspannt auf Wasserhöhe mitgeschleust wird. Aber in den meisten Schleusen gibt es nur normale Poller zum Festmachen und Leitern. Das bedeutet aber, dass man die Leinen oft umlegen muss und auf die neue Höhe anpassen muss, damit man das Boot hält. Die ersten Schleusungen waren aufregend, aber schnell fühlten wir uns wie Schleusenprofis bei bis zu sechs Schleusen am Tag. Wir funkten die Schleusen an und kündigten uns somit an. Entweder hatten wir Glück und bekamen gleich grünes Licht zum Einfahren oder es wurde gerade geschleust und wir mussten warten. Manchmal auch bis zu einer Stunde, da die Berufsschifffahrt Vorrang vor Sportbooten hat.

Einmal funkten wir eine Schleuse an und der Schleusenwärter war nicht gerade von der gesprächigen Sorte. Nach dem wir gesagt haben, dass wir gerade bergauf geschleust werden wollen, kam keine Antwort. Das Schleusenlicht wechselte aber von zwei roten Lichtern auf ein rotes Licht. Wir guckten uns beide an und rätselten, ob das jetzt was Gutes sei. Nach einiger Zeit fragten wir nochmal via Funk, was das Lichtsignal zu bedeuten habe. Der Schleusenwärter sagte, dass es bedeutet, dass die Schleuse vorbereitet wird. Dann herrschte kurz Stille und er fragte: „Aber nen Bootsführerschein hamse schon ne?“. Upps.. wir können nicht ganz abstreiten, dass wir einige Zeichen, Blinklichter und Verkehrsschilder schon noch im Buch nachschlagen müssen, da es auf Flüssen einfach eine ganz andere Beschilderung gibt als auf See. Paul antwortete, dass sein Schein schon etwas her sei und beide lachten…
Also nur zur Aufklärung: wir haben alle Scheine, die wir brauchen 😀

Einfahrt in eine Schleuse
Der Blick hinauf zur Schleusenwand
Das Coolste ist der Moment sobald man über die Mauer oben gucken kann.
Eine ganz neue Welt!

Es soll wohl so sein, dass kein Tag ohne Aufregung vorüber ziehen soll. Das Highlight an diesem Tag stellte eine Brücke in Meppen da, die mit 2,20m Durchfahrtshöhe in der Karte stand. Sie ist eine Hubbrücke und kann bei Durchfahrt von höheren Schiffen geöffnet werden. Ein Schleusenwärter sagte uns auf Nachfrage, dass die Gute aber gerade unten bleibt übers Wochenende, da Kirmes auf ihr stattfindet und sie voller Buden ist.
Wir zogen den Zollstock raus und maßen unsere Höhe. 2,30m! Grrr…
Wir sahen uns schon von Freitag bis Montag in Meppen vor dieser Brücke warten, nach dem wir unter den Augen von allen Kirmesgängern gegen die Brücke gefahren sind. Noch dazu dachten wir, dass die Schleuse hinter Meppen ab Montag bis zum darauffolgenden Samstag gesperrt sei. Dann hätten wir fast eine Woche in Meppen gehangen. Naja letztendlich haben wir die Sperrung der Schleusung im „Kanalrundfunk“ (Sperrungen, Pegelstände, Baustellen), der regelmäßig über das Funkgerät durchgegeben wird nur falsch verstanden. Egal wir wollten unbedingt unter dieser Brücke durch. Also lagerten wir unsere Masten noch etwas um an Deck, um eventuell auf 2,20m zu kommen.

Naja als wir dann die Brücke sahen hinter einer Kurve fielen uns mehr als ein Stein von unseren Herzen. Sie war zwar niedriger als einige Brücken zuvor, aber kein Problem für uns. Wir fuhren mit strahlenden Gesichtern und mit dem Geruch von gebrannten Mandeln und Kirmesmusik in den Ohren unter der Brücke durch! Auf der anderen Seite sah alles so viel schöner und bunter für uns aus 😀 Wir waren einfach heil froh nicht in Meppen festzuhängen.

DIE Brücke mit Kirmesbuden obendrauf!
Das strahlende Beweisfoto hinter der Brücke
Wunderschöne Weidenalleen

Die Auswahl der Häfen auf den Kanälen ist eher übersichtlich und entweder für kleine Motorbootflitzer oder große Yachten, die als Hausboote bzw. Wochenenddomizile benutzt werden. Aber Durchreisende, wie wir, um diese Jahreszeit sind doch eher selten.
An dem Tag schafften wir 57 km und landeten in Lingen. Leider war es schon ziemlich düster, aber Lingen war die einzige Möglichkeit einen Liegeplatz zu finden. Zum Glück konnten wir in den Stadthafen fahren, wo man kostenfrei bzw. ziemlich unentdeckt liegen konnte. Die Einfahrt in den Hafen bei Dunkelheit war super gruselig und wieder einmal klebten unsere Augen an der Loge, da wir nicht wussten wir flach es wird. Aber alles ging gut und wir ließen den Abend gemütlich mit „Kiel-Secco“ (den habe ich von Freunden aus Kiel zum Abschied bekommen) und leckerem Essen ausklingen, während an uns das Partyvolk vorbei lief, um zum örtlichen Oktoberfest zu gehen. Es war schließlich Samstag. Wir hofften, dass uns keiner nachts betrunken von der Kaimauer aufs Boot fiel.
Die Erkenntnis, dass Samstag war, hielt Paul jedoc nicht davon ab am nächsten Morgen zum Supermarkt zu gehen, um festzustellen, dass auf Samstag Sonntag folgt. Da setzt es schon ein das Verschwimmen der Wochentage…

Der nächste Morgen war nieselig und somit die perfekte Gelegenheit sich mal unserem Deck und seiner Sauberkeit anzunehmen. Ich schrubbte und schrubbte und nahm unserem Boot seinen grünen und mosigen Charakter. Mit so viel visuellem Erfolg macht das Putzen schon fast Spaß – besonders als später die Sonne rauskam. An dem Tag schafften wir es zu einem kleinen Hafen kurz vor Münster. Da lagen schicke Hausboote und als wir bei Regen und Ekelwetter in den Hafen fuhren, wurden wir fast neidisch als uns zwei Hausbootbesitzer grüßten, die mit Kerzen, Rotwein und Lammfellen in ihrem „Bötchen“ saßen…

Eine kleine Fähre innerhalb des Hafens, um auf die andere Seite zu gelangen
Unser Ofen kann auch Brötchen!!

Irgendwie hab ich mir da noch nie Gedanken drüber gemacht, aber jetzt da wir die Kanäle befahren finde ich das schon ganz schön abgefahren. Das sind Wasserstraßen, die Menschen errichtet haben. Ausgehoben und überall die gleiche Tiefe (zumindest in der Fahrrinne). Wasserstraßen für die Wirtschaft, um Gebiete für Schiffe zugänglich zu machen und Flüsse zu verbinden bzw. Flüsse schiffbar zu machen. Damit das alles funktioniert wurden auch noch haufenweise Schleusen gebaut, die Tag und Nacht von Menschen betrieben werden müssen und wartungsintensiv sind. Und dann führt der Kanal auf dem man Fährt einfach selbst über eine Brücke und führt über die Ems. Also eine Brücke mit einem Kanal drauf führt über einen anderen Fluss, die von tonnenschweren Schiffen befahren wird.
Das finde ich ziemlich heftig…

Die Kanalbrücke Ems
Rechts oben im Bild ist die Ems erkennbar

19.10-21.10.2019

Ein Kommentar

  1. Danke für diesen schönen Eintrag. Ihr seht so unbeschwert und fröhlich aus, dass ich mich nur mit euch freuen kann! Die Bilder sind klasse und eure Abenteuer auch. Ich wünsche euch, dass ihr im Mittelmeer ankommt, bevor ihr Slalom um Eisschollen fahren müsst ;-).

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