Hofgeschäfte – Teil 2

Weiter geht’s:

Gaskasten für die Reling

Uns beiden ist nach all der Zeit an Bord das Thema Gas immernoch suspekt. Jeden Abend drehen wir aufwändig die Gasflasche und alle Zwischenhähne zu. Aktuell ist der Gaskasten in den Backskisten realisiert. Auch eine Öffnung nach Außenbords am tiefsten Punkt des Gaskastens ist vorhanden, doch ist der Gaskasten dermaßen marode, dass das bei einem Gasleck auch nicht wirklich helfen würde. Deswegen: Raus mit dem Gas, raus auf die Reling. Dort kann die Flasche beruhigt stehen, bei einem Leck würde das Gas nur in die Umgebung entweichen. Plus: Mehr Platz in den Backskisten. Ein bisschen fackeln mit Edelstahl und dem Elektroden-Schweißgerät hat das Folgende hervorgebracht.

Auf dem „Grill“ wird später die Gasflasche ruhen, und die drei vertikalen Stangen schützen die Flasche bei unwahrscheinlichem Schleusenwandkontakt. Das hübsche (?) Ding soll später auf die Reling geschraubt werden. Ist bisher noch nicht passiert. Alles zu seiner Zeit!

Gastlandflagge

Toni hat in der Zwischenzeit die Nadeln glühen lassen, und eine Gastlandflagge für Frankreich gezaubert. Ja, eine alte Jeans musste dafür herhalten 😉

Davits

Dank der großartigen Hilfe und Unterstützung des Nachbarn meiner Eltern, Josef, konnten wir schnell und unkompliziert zwei Davits bauen. Rumbrutzeln mit dem Schweißgerät bekomme ich hin, doch das Herstellen von sicherheitsrelevanten Nähten überlasse ich besser ihm, einem der besten Schweißer Deutschlands. Neben vielen sehr hilfreichen Tipps und Tricks, hat er uns netterweise die beiden Galgen im richtigen Winkel zusammengeschweißt. Nachdem ich sie dann noch mit der Flex ordentlich geschliffen hatte, waren sie überraschenderweise äußerst ansehnlich 🙂

Geschweißt vs. Geschliffen
Blick in die Zukunft: So sehen sie jetzt an Scarlett aus. Kevin in seinem Element!

Gardinen

Neben der Gastlandflagge ließ Toni auch bei den Gardinen die Fetzen fliegen. Diese sind dreilagig ausgeführt, mit extra dickem Stoff. Nun können wir endlich riiiichtig lange ausschlafen, ohne dass uns die Sonne ins Gesicht strahlt.

Was für zwischendurch

Und dann waren da noch die vielen kleinen Projekte und erfreulichen Ablenkungen. Die elektrische Kaffeemühle meiner Eltern bedurfte etwas gutem Zureden…

… ebenso wie die altgediente Nähmaschine. Sonst wären die Gardinen nicht rechtzeitig fertig geworden.

Wenn auch nicht viel, so hatten wir doch wenigstens ein bisschen Freigang. Alte Wache, Bingen. Es ist so selten geworden, dass wir uns alle zusammen sehen… Umso schöner, dass nun Toni Teil der Crew wurde 🙂

Finally kam die Islandwolle an, nach einer kleinen großen Email-Schlacht. Nun konnte es losgehen, Toni konnte endlich mit unseren Islandpullis beginnen. Das ungeduldige Warten hatte ein Ende.

Wir haben zwar durch all unsere Projekte kaum die Möglichkeit gehabt, viel außerhalb der Werkstatt zu sehen. Doch glücklicherweise ergab sich die Gelegenheit für uns, mit meinem ehemaligen Kajakverein zum Eskimotieren-Training im Schwimmbad zu planschen.

Ja, und dann stand noch ein Pflichtbesuch bei Scarlett an. Nach einer Woche konnten wir es uns nicht nehmen lassen, sie zu überraschen und soooo viele Geschenke mitzubringen. Darunter circa 40 Gläser selbstgemachter Marmelade 🙂 Da Kevin noch in der Pediküre festhing, musste sein lidl brother aushelfen. Plötzlich wirkte Kevin äußerst vertrauenserweckend, so im Vergleich…

Bugspriet

Der Lümmel verdient einen eigenen Blogbeitrag 😛

Solarpanele

Energetische Unabhängigkeit ist noch ein großes Ziel von uns. Da haben wir uns sicherheitshalber mal drei Photovoltaikpanele samt Regler gegönnt. Installiert sind sie noch nicht, doch besser haben als brauchen!

Stockanker

Das gute Stück wiegt 20 kg und ist sowas wie unsere alternative Lebensversicherung. Bei Sturm und sonstigen Widrigkeiten hält das gute Stück hoffentlich uns und unsere Scarlett sicher und fest. Als kleine Vorleistung für seine hoffentlich nie benötigten Dienste bekam er schonmal einen neuen Zinkanstrich und frische Bolzen.

Rocket Stove

Endlich zu meinem zweitliebsten Thema (außer dem fantastischen Bugspriet 😛 ): dem Ofen. Wir haben ja eine Diesel-Standheizung an Bord, doch benötigt die neben massenweise Sprit eben auch ordentlich Strom. Wie schön wäre es doch, wenn wir einen Holzofen an Bord hätten, rustikal, gemütlich, günstig im Unterhalt und noch dazu auch ein wenig abseits des Yachti-Mainstreams.

In wochenlangen Recherchen fand ich heraus, dass ein Raketenofen – oder Rocket Stove – an Bord einige Vorteile hätte. Im Gegensatz zu anderen, konventionellen Öfenkonzepten wird der Zug dieses Ofens im erweiterten Brennraum erzeugt, wodurch das Problem der nur kurzen verfügbaren Kaminlänge an Bord entschärft wird. Durch seine Bauform soll dieses Ofenkonzept ca. 25% weniger Holz verbrauchen, sauberererere Abgase erzeugen und – besonders interessant – eine nur kurze Abgasleitung erfordern.

Alles begann mit einer Sichtung des Materialschranks.

Aha, da liegt ja einiges. Also Schweißgerät heißlaufen lassen!

Kurz mal Angeben mit dieser wunderschönen Naht… sowas war selten in den zwei Wochen 😀

Nach einem Tag hämmern, schweißen, bohren und flexen kam dieser erste Prototyp dabei heraus:

Naja, rauchfrei ist das nicht, und die Schweißnähte sahen auch kacke aus. Aber immerhin hatte es so grob die Form des gewünschten Ofens.

Also alles nochmal, mit etwas größerer Brennkammer und diesmal auch mit der späteren Isolierung der erweiterten Brennkammer. Und tadaa, der Ofen fauchte uns das schönste Geräusch seit langem entgegen, wie das Starten einer Mondfähre. Ha!

Nun war unsere Zeit jedoch abgelaufen, da wir noch im November nach Frankreich wollten. Doch es hätte noch gute drei Tage gebraucht, bis der Ofen einbaureif gewesen wäre. Ihm fehlten noch die äußere Hülle, der Abgasflansch, Türen und Scharniere, etc. Deswegen haben wir uns schweren Herzens dafür enschieden, das Ofenprojekt hier zu unterbrechen. Es wird sich eine andere Lösung finden müssen, um uns heizungstechnisch autark zu machen…

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