Oh Mosel, du Kringelige!

Endlich waren wir wieder auf unserer Scarlett! Alles war halbwegs verstaut nach unserem mittlerweile vierten Umzug auf Scarlett. Wir waren mit bestem Proviant ausgerüstet und bereit für das nächste Kapitel.

Also Anker auf und los. Als besonderes Highlight begleitete uns Robert (alias „der Ehemann im Bett“) einen Tag. Unsere Gäste suchen sich immer das beste Wetter aus und so war uns Sonnenschein sicher. Wir schipperten auf der Mosel vorbei an unzähligen Weinbergen, skurrilen Lagenbezeichnungen und wunderschönen Städtchen.

Wir sondierten währenddessen eventuelle Anlegemöglichkeiten, da uns zu Ohren gekommen ist, dass die meisten Schwimmstege in der Mosel abgebaut sind. Daher ertönte ab und zu ein „Hier könnte man anlegen“ oder „Das würde irgendwie gehen“. Die meisten Häfen hatten tatsächlich zu und viele Gemeinden ihre Stege abgebaut. Vor unserem langen Landgang von fast 3 Wochen waren wir zwar am Ende der Saison aber in den meisten Häfen war noch Betrieb. Nun waren wir eindeutig außerhalb der Saison. Das zeigten uns auch die Temperaturen. Nun wurde nicht nur abends sondern auch tagsüber die Heizung angeschmissen. Die Zeiten hatten sich eindeutig geändert.

Nach sieben Stunden, zwei Schleusen und 46 km! (was für ein schönes Gefühl nach dem Rhein) kamen wir in Cochem an. Dort gab es noch einen Stadtsteg mit freiem Blick auf die riesige Burg und die weihnachtlich beleuchtete Promenade der süßen Stadt. Nach einem Kaffee radelte Robert zum Bahnhof, um wieder nach Koblenz zu fahren. Wir schlenderten durch die engen Gassen der Innenstadt und ließen unseren ersten Tag auf dem Wasser ausklingen.

Kevin hing derweil etwas ab, um sein Regenwasser loszuwerden…
Mit all der neuen Ladung sahen wir nun wirklich aus wie ein Pennerboot 😉
Cochem am Abend

Am nächsten Morgen hing der Nebel in den Weinbergen und die Mosel machte einen eher mystischen aber wunderschönen Eindruck.

die Kormorane machen es sich immer auf den Schleusenanlagen gemütlich

Die deutsche Mosel schlängelt und windet sich in nie enden wollenden Rechtskurven in denen man hofft nicht auf Gegenverkehr zu stoßen (Anmerkung der Redaktion: Linkskurven waren natürlich auch dabei). Es lohnt sich den Flusslauf zwischen Zell und Traben-Trabach mal auf der Karte zu verfolgen. Wie riesige Tropfen schneidet sich die Mosel durch die Berge. Kilometer reißt man so nicht wirklich aber die Landschaft entschädigt alles. Wir fuhren außerdem unter der Moselhochbrücke hindurch, die erst 4 Tage zuvor eingeweiht wurde. Beeindruckend mit einer Höhe von 160 m und einer Länge von 1,7 km!

Im Sommer ist es hier bestimmt noch so viel bunter aber auch voller Sportboote. Wegen der Nebensaison mussten wir die großen Berufsschifffahrtsschleusen benutzen, da die kleinen Sportbootschleusen geschlossen waren. Das war immer noch recht aufregend jedesmal, obwohl wir mittlerweile um die 30 Schleusen hinter uns hatten.

Weiter ging es nach Bernkastel-Kues (natürlich auch mit Burg). Dort blieben wir unfreiwillig einen Tag länger, da Paul dermaßen erkältet und krank war, dass wir einfach den ganzen Tag im Bett lagen, bis auf einen Vitamineinkauf und ein Besuch im Schwimmbad. Dort genehmigten wir uns eine Dusche, da mit den Häfen natürlich auch die Duschen in den Hafengebäuden zu hatten… Der Pausentag war aufjedenfall bitter nötig und mit Gemüseeintopf und Stollen machten wir es uns gemütlich.
Letztendlich war das der erste wirkliche Pausentag, seitdem wir losgefahren sind. Sonst haben wir dann doch immernoch irgendwas gewerkelt. Und der erste Tag Ruhe nach über 5 Wochen Action am Stück. Heftig was das ausmacht, am nächsten Tag ging alles gleich viel leichter von der Hand und die Motivation kam mit voller Wucht zurück.

Ein weiterer Tag auf der deutschen Mosel sollte uns nach Trier führen. Hier wollten wir auf den Weihnachtsmarkt, der wirklich schön sein soll. In der Schleuse Trier fragte uns der nette Schleusenwärter, zu welchem Hafen wir wollen. Ein Hafenmeister hätte wohl schon zweimal angerufen und danach gefragt. Der Schleusenwärter meinte, dass dieser am Moselufer wohnt und uns wahrscheinlich den Hafen aufschließen möchte. Klasse Service dachten wir. Kurz hinter der Schleuse kam dann die Hafeneinfahrt. Gerade als wir in das Hafenbecken einbiegen wollten, kam uns fuchtelnd ein Mann entgegen. Er schrie uns zu, dass der Hafen geschlossen ist. Völlig unverständlich, da sogar noch Boote im Hafenbecken lagen. Sein Argument: Strom und Wasser sind aus. Ich sagte, dass wir autark sind. Lediglich ein Schulterzucken war seine Antwort. Dann witterte er Geld und fragte noch, wie lange wir denn bleiben wollen… aber eine Nacht bringt nicht das große Geld. Und so schickte uns dieser blöde Idiot tatsächlich weg, obwohl ich ihm sagte, dass der nächste Hafen zu weit wäre. Ich war so stinksauer. Eventuell zeigte ich ihm das auch durch wildes Kopfschütteln und Gestikulieren. Dieser alte garstige Mann saß garantiert auf seinem Sofa zuhause und sah uns vorbeifahren. Dann hat er die Schleuse mit Anrufen terrorisiert, um rauszufinden, ob wir in seinen Hafen wollen. Dann ist er extra losgefahren, um zu verhindern, dass wir in seinen Hafen fahren! Soviel zu Solidarität auf dem Wasser. Ich war auf hundertachtzig. Bei Google laß ich dann, dass dieses Verhalten wohl auch schon anderen begegnet ist.
Wir fanden dann einen Hafen, in dem wir liegen durften (obwohl Strom und Wasser abgeschaltet waren). Leider nicht mehr in Reichweite von Trier. Naja es werden noch mehr Weihnachtsmärkte kommen.

Hinter Trier kuschelt die Mosel mit dem linken Ufer mit Deutschland und mit dem rechten Ufer mit Luxemburg. Schon verrückt so ein Grenzfluss. Wir machten an einem kostenlosen Stadtsteg in Luxemburg fest. So gefällt uns das.
Abends wurde der selbstgebaute Fahrradanhänger noch auf sein erste Belastungsprobe gestellt. Da der Diesel in Luxemburg so günstig ist, tankten wir voll. Zum Glück war die Tankstelle nicht weit vom Steg entfernt.

Am nächsten Morgen hing dicker Nebel auf der Mosel. Bei dieser Suppe wollten und dürfen wir auch garnicht fahren. Also erstmal gemütlich frühstücken. Der Nebel lichtete sich erst gegen 13 Uhr. Da hieß wir hatten nur 2 Stunden Zeit zum Fahren, bis wir wieder eine Anlegemöglichkeit finden müssten. Außerdem lagen Schleusen vor uns und da wusste man nie genau wie lange das dauert. Denn Berufsverkehr hat immer Vorrang. So mussten wir auch schonmal 50 Minuten vor einer Schleuse warten, da wir 5 Minuten „zu spät“ waren.
Naja daher beschlossen wir noch eine Nacht an diesem Steg zu bleiben. Mich hatte es nun auch erwischt und somit passte ein Tag Pause perfekt. Zum Kaffeetrinken gesellte sich ein Eisvogel ganz dicht zu uns. So nah hatten wir beide noch keinen der flinken blauen Flitzer vor uns.

Morgen heißt es: „Vive la France!“

23.11-30.11.2019

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