Pläne sind so ne Sache!

Nach der kleinen Sturmpause geht es weiter mit unserer ganz privaten Rhône-Kreuzfahrt. Die Sonne scheint, das Wasser glitzert und überall sind Weinberge und kleine Berge mit Dörfern zu sehen. Wirklich idyllisch. 16 Kilometer haben wir Ruhe bis die nächste Schleuse kommt.

Sind wir wieder auf der Mosel?

Zum Glück nur eine der kleineren mit 6 m Hubhöhe. Das wird eine gute Aufwärmübung für die 16 m Schleuse, die heute auch noch auf dem Plan steht. Wir legen am Steg für wartende Sportboote an und wählen die angegebene Telefonnummer, um uns anzumelden. Es klingelt aber keiner geht ran. Komisch. Also versucht es Paul per Funk. Da versteht man meist nichts wegen einer Mischung aus mangelnden Sprachkenntnissen und dem Rauschen der Funkanlage, aber was anderes bleibt uns nicht übrig. Nach unverständlichem Gebrabbel und wiederholtem Nachfragen meint Paul ein „maintenant“ (dt.: „jetzt“) rauszuhören und tatsächlich schaltet die Ampel um auf rot-grün. Es dauert eine kleine Ewigkeit bis die Schleuse hochschleust und sich das Schleusentor langsam öffnet. Zwischendurch schaltet die Ampel noch wild hin und her, aber dabei denken wir uns nichts. Das passiert ab und zu schon mal, hoffentlich.

Das Schleusentor und die Schranke sind endlich auf und alles scheint für unsere Einfahrt bereit zu sein. Aber ein grünes Ampellicht bekommen wir trotzdem nicht. Nach minutenlangem Starren auf die Ampel, in der Hoffnung, dass sie beim nächsten Blinzeln grün werden würde, entscheiden wir uns für ein erneutes Nerven und Fragen beim Schleusenmeister. Es lief ja eigentlich alles normal. Wir fuhren ran, die Schleuse bereitete sich vor und die Tore gingen auf. Nur das grüne Licht fehlte. Wir haben es schon öfters erlebt, dass die Schleusenmeister einfach vergessen auf grün zu schalten. Also lieber nochmal nerven als unnötig rumzuwarten. Paul geht wieder unter Deck zum Funkgerät und versucht sein Glück. 

Die verschwommene Erkenntnis nach dem rauschenden Gespräch ist, dass der Schleusenmeister vorhin nicht „maintenant“ sondern „maintenance“ (dt.: Wartung) gesagt hat und Paul nun nicht ganz verstanden hat, ob wir aufgrund dessen bis heute 15 Uhr oder 15 Tage warten müssen. Joah das nehmen wir mal so hin. Eine Wartung zu dieser Zeit ist schon recht komisch, da die Rhône jedes Jahr für eine Woche im März stillgelegt wird, damit alle Schleusen gleichzeitig gewartet werden können. Warum sollte rund drei Wochen vorher eine Wartung durchgeführt werden. Außerdem sah ja alles nach einer normalen Schleusung für uns aus bis auf das fehlende grüne Licht. 

Wir beschließen den Dingen auf den Grund zu gehen. Scarlett wurde mit noch mehr Leinen am Steg festgezerrt und wir laufen zu Fuß zum Schleusenkomplex, um das Ganze nochmal von Angesicht zu Angesicht zu hören und besser zu verstehen, was hier los war. Doch das ist gar nicht so einfach, da die Schleuse zu einem riesigen Kraftwerkskomplex gehört und gut abgeriegelt ist. Wir fragen ein paar Arbeiter des Geländes und werden auf eine Gegensprechanlage aufmerksam gemacht. Der nette Mann dahinter verspricht zu uns in den Hof zu kommen und uns alles zu erklären. Er kommt mit zwei anderen Männern, die anscheinend gerade auf dem Weg in die Mittagspause sind. Zum Glück kann er etwas Englisch. Er erzählt uns, dass es an der nächsten Schleuse heute nacht einen Unfall in der Schleuse mit einem großen Schiff gegeben hat. Das hat giftiges Gas geladen, welches jetzt austritt. Daher ist die Umgebung evakuiert worden. Sie dürften niemanden zwischen den Abschnitt ihrer Schleuse und der evakuierten Schleuse lassen. Die Schäden an der Schleuse seien wohl massiv und alle überfordert, da sowas sonst nicht passiert. Eventuell habe man noch ein anderes Ersatzschleusentor, aber man wisse nicht ob das passt. Er jedenfalls habe seiner Mama gesagt, dass die Reparaturen mindestens zwei Wochen dauern. Außerdem können wir an dem Steg der Schleuse nicht liegen bleiben. Wir sollten zurück nach Vienne, der nächsten Stadt fahren, da es da einige Stadtanleger gebe. 

Später erfahren wir aus französischen Zeitungsartikeln, dass ein rund 2200t Schiff aus ungeklärten Gründen ein Schleusentor mitriss. Das Deckshaus des Schiffs wurde abgerissen und das Schiff strandete im Anschluss in der Schleusenausfahrt an den Pollern. Dabei wurden Gastanks an Bord zerstört, die mit Vinylchlorid (giftig und explosiv) gefüllt waren, weshalb die ganze Gegend evakuiert wurde. Der schwere Unfall brachte die Schiffahrt auf der Rhône komplett zum Erliegen. Sowas passierte das letzte Mal in einem solchen Ausmaß 1998.
Was für ein Glück wir doch haben an diesem historischen Erlebnis teilhaben zu dürfen! Wären wir einen Tag schneller gewesen, könnten wir uns jetzt schon im Mittelmeer die Sonne auf den Wanzt scheinen lassen. 

Ziemlich fassungslos aber irgendwie auch etwas aufgeregt fahren wir gegen den Strom zurück nach Vienne. Wir legen an einem schönen Schwimmsteg auf der gegenüberliegenden Seite der Innenstadt an. Hier sind keine Hinweise, wem der Steg gehört oder wie lange man hier liegen darf. Also erstmal super. Der Blick auf die alte römische Stadt ist grandios und die kleinen Berge dahinter mega schön. Große Kathedrale, Burg, Berge und Weinberge. Alles da für einen gelungenes Stadtpanaroma. Wir sind erstmal froh einen Steg gefunden zu haben und so dicht an einer Stadt gestrandet zu sein. Aber jetzt stellt sich die Frage: Was nun?

Wer entdeckt Scarlett?
Blick vom Steg auf Vienne
ein alter Römertempel mitten in der Stadt
altes Amphitheater
morgendlicher Nebel

Wir sind uns sicher, dass die Sperrung nicht länger als zwei Wochen dauern würde. Schließlich ist die Rhône eine der maritimen Hauptverkehrsadern Frankreichs (wenn nicht sogar die größte) und die einzige Möglichkeit große Schiffe und ihre Waren ins Inland zu verfrachten. Außerdem ist sie der einzige Weg ins Mittelmeer. Da würde man sich schon beeilen…

Ich weiß nicht, ob es hier schon erwähnt wurde, aber wir haben schon seit Langem geplant in Avignon eine längere Pause von zwei bis drei Wochen einzulegen. Da ist eine Kaimauer alias Hafen, die in der Nebensaison kostenlos ist. In Avignon ist es schon schön warm und daher perfekt um all unsere ausstehenden Projekte endlich mit einem Schlag fertig zu bringen. Die Solaranlagen und die schon in Kiel gekauften neuen Batterien wollten angeschlossen, der Motor überholt, der Gastkasten montiert und der Mast vorbereitet werden. Und das sind nur die großen Projekte, die mir gerade einfallen. Dazu kommen noch unzählige kleinere, die dann doch größer und langwieriger sind als man denkt. Außerdem entdeckt man beim Beheben einer Schwachstelle immer wieder zwei neue von dieser Sorte. Ganz normal auf einem Boot (oder unserem Boot !?). Das versichern uns zumindest einige andere Bootseigner. Jedenfalls sind diese Aufgaben bei unserem bisherigen Reisestil immer hinten runter gefallen, aber mussten dringend erledigt werden vor dem Mittelmeer. 

Also kommt die Sperrung bis auf die noch nicht so konstant warmen Temperaturen, wie wir es uns gewünscht hätten, gar nicht so ungelegen. Machen wir die Sanierungsaktion eben in Vienne. Garnicht so schlecht bei dem Ausblick, einer größeren Stadt zur Versorgung, einem kostenlosen Steg und einem Bäcker direkt um die Ecke. Da wir mindestens eine Woche hier bleiben, konnten wir endlich auch ein paar Dinge bestellen. Zumindest bei Amazon, da diese an Paketstationen wie z.B. Bäcker liefern. Das ist schon mal ein Anfang. Leider ist das französische Amazon überhaupt nicht vergleichbar mit der deutschen Version und so müssen wir unfreiwillig den unsortierten Bastelladen, der sich Baumarkt nennt, aufsuchen und für den Preis einer halben Leber ein paar Edelstahlschrauben kaufen. Für die Beschaffung von weiterem Baumaterial müssen wir uns definitiv was anderes überlegen. 

Wir legen uns gleich ins Zeug. Die Temperaturen klettern bis auf 17 Grad und wir laufen im Shirt rum. So macht das Anpacken gleich viel mehr Spaß. Es wird Zeit für einen Frühjahrsputz. Ich räume die ganze vordere Koje (unser Stauraum) aus, putze sie gründlich, miste aus und räum alles geordnet wieder ein. Außerdem verhelfe ich dem grauen Deck wieder zu seinem eigentlichen strahlendem Weiß durch intensives und kleinschnittiges Schrubben der Oberflächen.

Außerdem robbe ich auf dem Boden um die Seitenschaps im Salon zu reinigen. Diese waren aus Isolationszwecken mit Teppich ausgekleidet. Nicht so förderlich, wenn man im Winter auf dem Boot wohnt. Die unweigerlich entstehende Feuchtigkeit im Boot setzt sich im Teppich fest und trocknet nicht wieder weg. Wir benutzen die Schaps schon länger nicht mehr, da wir um diesen Umstand wissen. Nun ist es Zeit den modrigen Teppich rauszureißen. Darunter befindet sich rohes GFK. Nicht gerade ansehnlich aber wenigstens trocken und nicht gammelig. Natürlich hinterließ der Teppich eine eklige Klebeschicht mit Rückständen, weshalb eine mehrstündige Spachtel-Kratz-Aktion notwendig ist, um das Zeug aus den kleinen Ecken zu kriegen. Kampfmontur ist unablässig. 

Außerdem bestelle ich endlich ein Rundstricknadelset, bei dem man die Nadeln und die Seile variabel zusammensetzen kann. Meine ersten billig gekauften Stricknadeln gingen – oh Wunder – nach dem Stricken meines Pullis schnell kaputt und so saß ich da, mit Pauls halbfertigem Pulli ohne Stricknadeln. In den Kanälen durchsuchten wir die kleinen Dörfer und Städtchen nach Strickläden aber so richtig komplett fündig wurden wir nicht. Jetzt habe ich die Nase voll und bestelle mir das Set. Zumal ich noch Strickaufträge für weitere Islandpullis bekommen habe, für die ich nun bestens ausgestattet bin. Keine Sorge, es ist noch Platz für weitere Aufträge 😉

Paul montiert währenddessen die Solaranlagen. Das ist, wer hätte es gedacht, natürlich langwieriger als geplant, aber am Ende sind sie montiert. Drei schicke schwarze Flächen, die uns in Zukunft unabhängiger machen. Leider sollte damit nicht die jetzige Zukunft gemeint sein. Es kann nämlich sein, dass obwohl nur ein Teil der Solaranlage beschattet ist, die ganze Anlage keinen Strom mehr produziert. So ist es nun momentan bei uns, da der gelegte Mast auf unserem Deck nahezu immer einen Schatten auf unsere Paneele auf dem Deck wirft. Nur die Solaranlage hinten wird nicht abgeschattet. An sonnigen Tagen produziert sie auch ordentlich Strom, aber eben nicht genug, um auch wolkige Tage abzudecken und uns zu versorgen. Daher müssen wir öfter den Motor anstellen, um diese Produktion unserer Lichtmaschine zu überlassen. Jedes Mal schmerzt dabei unser Herz, da wir nicht nur Diesel verschwenden sondern dies auch unserem Motor nicht gut tut. Dieselmotoren mögen es nicht, ohne Last zu laufen. Die Stromversorgung ist also ein Problem hier an unserem Liegeplatz. Auch Trinkwasser und Müllentsorgung waren erst ungeklärt, bis wir in 3 Kilometer Entfernung einen kostenlosen Wohnwagenstellplatz finden. Dort können wir mit etwas Aufwand Wasser herbekommen und unseren Müll loswerden. Schon interessant wie sehr man seine ganz einfachen Grundbedürfnisse immer wieder spürt bei unserer Art zu Reisen. Supermarkt, Wasser, Strom und Müll. Und wie ungläubig man werden kann, wenn man in der ganzen Stadt kein Wasser findet, das man mal eben mit ein bis zwei Kanistern abzapfen kann. 

Kevin hilft gern beim Montieren der Gestelle
dieser selbstgebaute Wagen hat sich sowas von bewährt

Nach einer Woche rufen wir bei der Schleuse an und erkundigen uns nach dem Stand der Dinge. Vielleicht hatte das andere Schleusentor ja gepasst und in drei Tagen gings weiter. Aber das ist leider nicht das, was der Herr am Telefon uns zu verstehen gibt. Er sagt, dass man sich darauf geeinigt habe die Schleuse erst nach der sowieso geplanten Wartungssperrung in März zu öffnen. Das bedeutet eine Sperrung von einem Monat. Ohje, die Schleusengesellschaft hat bestimmt gerade echt Ärger und Stress, wenn sie den Binnenschifffahrtsverkehr für einen Monat stilllegen. Aber kann ja keiner was dafür. Zum Glück scheint nur das Schleusentor defekt und die Schleusenstruktur intakt zu sein. Aber Fakt ist, dass wir nicht weiter können. Im Meer fährt man dann einfach zu einer anderen Bucht oder gar einem anderem Land (sagt die welterfahrene Seglerin 😛 ) aber wir saßen jetzt einfach fest ohne mögliche Ersatzstrecke. 

Vier Wochen sind natürlich ein anderer Schnack als 14 Tage, die es ohne richtige Stromzufuhr zu überstehen galt. Wir recherchieren, dass es eine Schleuse weiter einen Hafen gibt. Dahin würden wir vielleicht kommen, nach dem sich die Situation nach dem Unfall etwas geklärt hatte. Nur durch die Schleuse dahinter kommt keiner. Wir hätten es an dem kostenlosen Steg in Vienne irgendwie geschafft, aber die Gedanken an ständiges Duschen, unbegrenzt Strom, fließendes Wasser, eine sichere Hafenanlage, andere Boote und Bootsbesitzer und Pakete problemlos zum Hafenbüro schicken, kommt uns wie wunderbarer Luxus vor. Wir rufen den Hafen an und erfragen Liegegebühren und freie Liegeplätze. Die Liegegebühren müssen wir erstmal verdauen. Aber nicht weil sie so hoch sind, denn wahrscheinlich ist das einer der letzten normalen Häfen vor den superteuren Mittelmeerhäfen. Sondern eher weil wir schon lange nicht mehr für einen Liegeplatz bezahlt haben und eh gerade das Gefühl haben, dass unser Geld uns einfach so durch die Hände rinnt (durch die ganzen Projekte und die unerwartet lange Überführungszeit). Naja so günstig werden wir nicht mehr einen Monat entspannt im Hafen liegen. Also noch die Schleuse anrufen und fragen, ob wir morgen durchfahren dürfen, um uns in den Hafen zu verholen. Wir müssen bestimmt dreimal versichern, dass wir nur bis zu dem Hafen wollen und genau wissen, dass die nächste Schleuse gesperrt ist. Nun gut, morgen geht es dann in den Yachthafen nach Condrieu. 

Beim Frühstück sehen wir ein Segelboot mit gelegtem Mast an uns vorbeidüsen. Wir können unseren Augen kaum trauen. Die sehen aus wie wir! Das haben wir in all der Zeit noch nicht gesehen. Ab und zu waren zwar Motorboote unterwegs aber ein Segelboot das offensichtlich auch einen Überführungstörn macht, ist eine Besonderheit. Die werden wir auf jeden Fall heute Abend im Hafen treffen. Zum Ablegen geben wir uns offensichtlich größte Mühe die einzigen 20 Minuten Regen des Tages abzupassen. Mit nassen Klamotten macht’s einfach mehr Spaß! Wir fahren die 5 Kilometer bis zur Schleuse, machen dort fest und klingeln die Schleuse an. Alles schon bekannt. Ein großes Déjà-vu. 

Das Telefonat lief sinngemäß und übersetzt so ab:

Paul: Wir sind das Sportboot Scarlett und würden gern abwärts schleusen. 
Schleusenwärterin: Ich kann sie leider nicht schleusen.
Paul: Wir wissen, dass die Schleuse „Sablons“ gesperrt ist und möchten nur in den Yachthafen. 
Schleusenwärterin: Das kann ich ihnen nicht erlauben. Sie können nicht passieren. 
Paul: Wir haben gestern extra angerufen und eine Erlaubnis eingeholt.
Schleusenwärtin: Sie dürfen nicht schleusen.
Paul (schon leicht panisch): Okay… und warum?
*Getuschel im Hintergrund*
Schleusenwärterin: Okay, ich bereite die Schleuse vor. 

Hä!? Erst sagt sie nein, und auf Nachfrage sagt sie dann doch ja?? Nagut, wir wollten nicht diskutieren und waren einfach froh dass es jetzt wohl klappte. Solche Schleusengespräche sind doch immer der Knaller. Kurzzeitig dachte ich, dass wir wieder umkehren müssen. Ich sagte ja Déjà-vu. SchleusenwärterInnen sind da eben auch ein Stück weit wie Türsteher und wenn die Schuhe nicht passen, bleibst du eben draußen. 

Das bleibt uns ja zum Glück erspart und eine Stunde später machen wir im Hafen von Les Roches de Condrieu fest. Beim Anlegen kommt gleich ein netter Herr von seinem Boot gegenüber und nimmt die Leinen an. Das hatten wir wirklich schon seit der Nordsee nicht mehr. Er versucht sich mit ein paar Worten deutsch, da er mal eine Zeit lang in Deutschland gewohnt hat. Er ist Engländer und wohnt hier auf seinem Boot. Wie viele in diesem Hafen, wie er uns gleich erklärt. Alle seien hier sehr nett. Er bastelt täglich an seinem Boot, um es für eine Atlantiküberquerung fit zu machen. Er ist Rentner, hat alles in England verkauft und ist auf sein Boot gezogen. Sonst komme man ja zu nichts, meint er. Das Nachbarboot sieht ähnlich bastelintensiv aus. Das Cockpit steht voller Werkzeug und alles wirkt zugestellt. Hier werden wir uns wohlfühlen, unter all den Lebenskünstlern und Schrottschlossern. Kein Schickimicki-Yachthafen mit glänzenden Booten, wie wir sie schon öfter erlebt haben.

Das andere Segelboot von heute morgen ist auch da. Ob sie wohl auch so ein merkwürdiges Gespräch mit der Schleusenwärterin hatten? Leider kommen wir nicht so richtig mit ihnen ins Gespräch, obwohl unsere Boote direkt nebeneinander liegen und uns ihre Story brennend interessiert. Sie kommen aus Dänemark. Drei Erwachsene und ein Baby. Dafür sieht das Boot viel zu klein aus. Aber leider wirken sie nicht so, als ob sie Kontakt haben wollen und so halten wir uns zurück und beobachten eher. Nach drei Tagen sind sie verschwunden. Ohne Boot. Mal sehen wann sie wiederkommen und wer wiederkommt. Schon spannend das Geschehen in so einem Hafen. Im Laufe der Tage lernen wir noch mehr Stegbewohner kennen. Die Kommunikation mit den größtenteils französisch sprechenden Stegkumpanen ist nicht immer leicht, aber irgendwie witzig. Ein bisschen soziale Kontakte haben uns wirklich gefehlt. Der crazy Dude an unserem Steg ist eindeutig der gebrechliche Pirat (85) auf seinem Piratenschiff, das komplett mit allem Zubehör schwarz angestrichen ist. Ich sehe Paul an, dass er dringend alles über ihn und seine Geschichte wissen will. Aber bisher begnügte er sich mit einem freundlichen „Bonjour“, doch bald hat Paul ihn bestimmt geknackt. Unseren Engländer von gegenüber (Steve) laden wir ein paar Tage später auf einen Kaffee zu uns aufs Boot. Wir hatten lange keinen Besuch mehr und ja uns ist bewusst wie unsozial das klingt. Aber wir können ja nichts dafür, wenn nicht mehr Menschen auf die Idee kommen im tiefsten Winter eine lustige Bootstour zu machen. 

Waschtag
das berühmte Piratenboot

Auf jeden Fall fühlen wir uns im Hafen sehr wohl. Irgendwie schön zu wissen, dass man hier jetzt mal ne kleine Weile bleibt und sogar Pakete hierher bestellen kann (Pakete sind echt ein großes Thema). Das ging sonst nicht. Die Kulisse unseres Liegeplatzes ist brillant. Wir liegen am Ende vom Steg und gucken direkt auf die Rhône und noch viel besser auf die Weinberge dahinter. Auf der anderen Seite der Rhône beginnt der riesige Naturpark Pilat. Den höchsten Berg (1400m) dieses Parks können wir ebenfalls sehen. Hier lassen sich bestimmt einige kleine Wandertouren unternehmen. Da wir ja nicht so weit gekommen sind, ist auch Lyon nur 40km entfernt und Vienne nur 10km. Also unsere Freizeit werden wir schon rumkriegen (falls uns unsere Projekte dafür Zeit lassen). Dazu später mehr 😉 

Tartiflette ist ein Gericht der Region, das eigentlich nur ein Kartoffelauflauf mit Weißwein und besonderem Käse ist. Oberlecker!

18.-25.02.2020

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