The tide ist high …

…but we’re holding on

Nun, nach jeder Krise geht es weiter. Auch nach unserer Sinnkrise – oder Lagerkoller.

Wir haben uns überlegt, was wir wollen – und was nicht. Es war uns bewusst, von Anfang an, dass dies ein Abenteuer werden würde. Mit ungewissem Ausgang, denn wir wollten ja von vorneherein erstmal nur ins Mittelmeer, und dann mal schauen wohin es uns treibt.

Dass dies eintreffen würde, schon vor dem Mittelmeer war so nicht geplant. Dass wir uns schon vor dem Mittelmeer solchen „existenziellen“ Fragen stellen mussten.

Nach dem ersten Schock, der einige Tage andauerte, kam der zweite Schock, der auch ein paar Tage dauerte. Wir fühlten uns wie gelähmt. Unsere fehlende Motivation ließ uns kaum arbeiten und Dinge aufschieben, was ja alles nur noch schlimmer machte.

Doch irgendwann kam der Punkt, wo uns plötzlich ganz klar wurde, dass wir uns jetzt entscheiden mussten.

Aufgeben, das würde bedeuten die angefangenen Baustellen zu reparieren, und entweder nach Port-Saint Louis in der Rhone-Mündung zu fahren, Scarlett dort an Land zu ziehen und versuchen sie zu verkaufen, oder eben zurück nach Kiel zu fahren, was wahrscheinlich zwei weitere Monate dauern würde.

Weitermachen, das würde bedeuten, die notwendigen Baustellen zu reparieren, und alles dafür zu tun, dass wir eine schöne Zeit haben.

Ich glaube uns wurde klar, dass unsere Probleme nicht geringer werden würden wenn wir umkehren. Es würden andere auftreten, und wie viel schwerer würde es sein, diese mit einer eingestandenen Niederlage im Nacken zu meistern? Das Gefühl des Scheiterns mit sich herumzuschleppen. Scheitern, ohne es nicht einmal mit aller Kraft versucht zu haben. Uns wurde bewusst, dass es nur unsere Angst war, die uns lähmte und aufhielt. Angst und Zweifel, dass wir für die auf uns zukommenden Herausforderungen keine Lösung finden werden. Und ich glaube, auch Angst davor, dass unsere Erwartungen nicht erfüllt werden.

Doch wir wussten von Anfang an, dass wir uns auf ein Abenteuer eingelassen hatten. Wir wollten das so! Wir wollten an den Herausforderungen wachsen, Probleme lösen um das zu verwirklichen was uns vorschwebte. Selbst wenn das was uns vorschwebte nur sehr unscharf war. Irgendwas mit tropischem Wetter, türkisem Wasser und Ankern in traumhaften Buchten…

Und darauf haben wir immernoch Lust! Und auch wenn es uns ziemlich erschlagen hat, als unsere Pläne so dermaßen verwirbelt wurden.

Doch wir haben uns irgendwann zusammengesetzt, mal alles genau aufgeschrieben was wir zu machen hatten, das nötige Geld und die Zeit auch. Es war immernoch ein gutes Stück Arbeit, aber es war machbar. Es war sogar machbar, danach noch ein paar Monate mit Scarlett unterwegs zu sein. Wir haben uns also ziemlich deutlich von unseren Emotionen überrennen lassen. Wir haben immer gesagt, dieser Trip ist kein Urlaub, sondern Leben auf dem Wasser. Eine Reise, und keine Kreuzfahrt. Nun spürten wir nach all den wunderschönen (auch harten) Erfahrungen einen weiteren Aspekt des Bootslebens.

Wir machen nicht weiter, um hinterher sagen zu können, wir haben es geschafft. Das bringt keinem was.

Wir machen weiter, weil wir dadurch enorm wachsen. Wir machen weiter, weil wir an unserer Idee festhalten. Wir machen weiter, weil wir uns einfach nicht unterkriegen lassen wollen. Wir machen weiter, weil wir uns nicht so anstellen wollen. Wir machen weiter, weil die Alternative ja genauso viel Arbeit bedeuten würde, ohne das wir dafür entlohnt würden. Wir machen weiter, weil unsere Probleme ein Klacks sind im Vergleich zu anderen.

Wir machen auch weiter, weil wir bisher – selbst ohne im Mittelmeer gewesen zu sein – eine tolle Zeit hatten, unglaublich viel erlebt haben, unsere Köpfe voller Eindrücke sind, jeder Tag auf dem Wasser wunderschön ist, wir so viel sehen und mitbekommen, was man im normalen Landratten-Alltag nicht hat. Unser jetziger Lebensstil ist nicht einfacher als vorher, doch bietet er auch sehr viel. Ich glaube das vergessen wir sehr schnell.

Was mich und Toni erstaunlicherweise immer wieder total motiviert, ist, unsere eigenen Blockbeiträge der letzten Monate zu lesen. Die Fotos können schon neidisch machen, wir können selbst kaum glauben dass wir das erlebt haben. Und wenn wir daran zurück denken was wir so erlebt haben, oder davon lesen, dann denkt man sich dass es doch nicht allzu falsch sein kann. Die anstehenden Bastelprojekte wirken dagegen fast schon mikrig. Wir haben uns ganz schön runter ziehen lassen von unseren Sorgen, wird Zeit dass wir trotz Herausforderungen unsere unbeschwerte Abenteuerstimmung zurück holen!!!

Also reißen wir uns zusammen, bekommen unseren Shit done, glauben an unseren Erfolg und genießen jede Minute auf dem Wasser!


Ganz abgesehen davon, dass wir wirklich kein schlechtes Los getroffen haben. Nun gut, die ersten Tage hier im Hafen waren kalt und trübe. Aber nun scheint schon tagelang die Sonne bei strahlend blauem Himmel und 20°C. Lässt sich aushalten, und hebt schon dadurch ganz allein die Stimmung.

Als kleine Aufheiterung, hier ein paar Fotos.

Fiery-sails.blog – jetzt auch für den Kindle!
Kevin, was wären wir ohne dich!?

Edit von heute (21.03.2020):

Dazu kommt, dass wir durch die Corona-Krise nun eh fest sitzen. Es werden gerade eh die Pläne von allen über Bord geworfen. Dagegen haben wir nur Luxusprobleme. Wir haben aktuell weder Jobs zu verlieren, Miete zu zahlen noch befinden wir uns in einem Hoch-Risiko-Gebiet. Wir sind „eingesperrt“ durch die französische Ausgangssperre, doch das Hafengebiet ist groß, wir genießen jeden Tag die Sonne an Deck, unternehmen Ausflüge im Schlauchboot, schnacken und chillen mit anderen Seglern. Eigentlich alles so wie vor der Krise, nur die Landgänge sind beschränkt. Hätte wirklich schlimmer kommen können.

Und, wir liegen in einem der besten Häfen den wir uns für diese Krisensituation hätten wünschen können. Das ist mega krass, wäre die Krise nur ein paar Wochen früher gekommen, hätten wir wochenlang an irgendeinem Steg mitten im Niemandsland ausharren müssen. Dann zwar ohne Liegegebühren, dafür aber auch ohne Strom, ohne Wasser, ohne Supermarkt in der Nähe, ohne soziale Kontakte durch Stegnachbarn, ohne die Ruhe und Sicherheit die ein Hafen ausstrahlt. Wir wären richtig gearscht gewesen. Oder vielleicht noch schlimmer: die Schleuse wäre nicht gesperrt gewesen, wir wären jetzt schon im Mittelmeer und müssten monatelang heftige Liegegebühren im Mittelmeer zahlen. Da haben wir es hier doch wirklich annähernd perfekt getroffen! Wenn das mal nicht #Paul-Glück ist 🙂

Wenn man sich so anschaut was in der Welt gerade passiert, können wir wirklich nicht klagen. Schon krass wie so eine Krise die eigenen Probleme in ein ganz anderes Licht rücken kann, und sie nichtig erscheinen lässt.

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