N bisschen die Füße vertreten

Da klar war, dass wir mindestens einen Monat hier im Hafen liegen würden, machte ich mich an die mögliche Freizeitgestaltung. Schließlich sollte es nicht immer nur um unsere Projekte gehen. Auf google maps hab ich schon gesehen, dass ein großer Naturpark auf der anderen Seite der Rhône liegt. Er beschreibt ein riesiges Gebiet, das bekannt ist für seinen Weinanbau, kulinarische Spezialitäten, Radwege, Bergwanderungen (der höchste ist über 1400m) und viel Vegetation. Leider sah alles relativ weit weg aus für unsere nervigen Klappräder und ohne Auto.

Ich gehe also zur Touristeninformation in der Hoffnung, dass ich auf eine gute Busverbindung oder Wanderwege in der näheren Umgebung stoße. Die Internetseiten sind leider alle auf französisch. Schon schade, wenn man bedenkt, dass es sich um den Touristenmagnet der Region handelt.
Nach einem zweiten Anlauf erwische ich das Touristenbüro geöffnet trotz Nebensaison. Der junge Herr kann gebrochenes Englisch und so können wir uns einigermaßen verständigen. Er entschuldigt sich ungefähr viermal für seine Brocken Schulenglisch, aber ich bin einfach nur froh, dass er überhaupt was kann. Also erfahre ich, dass es zwar Busverbindungen in die Hotspots des Parks gibt, aber diese nur zweimal am Tag fahren. Na gut, dann müssten wir uns gut organisieren und das genau planen. In meinem Kopf spinne ich schon aus, wie wir einen zweitägigen Trip zu dem höchsten Berg machen und in einer Berghütte schlafen. Außerdem zeigte er mir eine bessere Website, wo alle Wanderwege eingetragen sind. Ein Wanderweg von 10km ist direkt bei uns um die Ecke. Das wird dann wohl unser erster Ausflug. Sonst ist der Rhône Radweg „ViaRhôna“ hier ein absolutes Muss und großes Touristenziel. Der Radweg entlang der Rhône vom Genfer See bis zum Mittelmeer wurde erst neu saniert und scheint sehr beliebt zu sein. Mit unseren kleinen Klapprädern ist aber alles über 5 km kein wirklicher Genuss. Darunter eigentlich auch nicht 😀 Aber vielleicht leihen wir uns mal Räder aus. Mit ein paar Flyern und vielen Informationen watschelte ich wieder zum Boot. Die Rhône hat gerade wieder einen erhöhten Wasserstand und ordentlich Zug. Unter der Brücke gehen die Verwirbelungen gerade richtig ab und ich bin froh, da gerade nicht mit dem Boot durchzubrechen.

Zwei Tage später schien die Sonne bei 15 Grad und wir waren sowas von heiß darauf die Gegend zu erkunden. Also ein bisschen Proviant einpacken, Wanderschuhe schnüren und los geht’s. Der Weg führt uns zuerst durch Condrieu und dann durch ein Tal zwischen zwei Weinbergen entlang eines kleinen Flusses. Der Weg ist eigentlich nur ein kleiner Trampelpfad schräg am Hang und alles ist wunderbar grün und riecht nach Wald.

Es geht stetig bergauf und nach einer Stunde verlassen wir den Fluss und erklimmen den Weinberg. Oben angekommen ist plötzlich alles flach. Ein riesiges Feld erstreckt sich vor uns und erinnert mich an Schleswig Holstein. Nur Feld und Himmel. Aber nur ein Kopfschwenk in die andere Richtung holt mich wieder zurück nach Südfrankreich. Ein Stück weiter treffen wir auf ein altes riesiges Anwesen. Hier lässt es sich bestimmt gut leben bei dem Blick ins Rhônetal.

Wir biegen noch um eine Ecke immer entlang an Weinbergen und da fällt es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen. Ich bin so perplex über das unerwartete, was ich da sehe, dass ich stehen bleibe und Paul am Arm packe. Meine Augen haben es schon viel früher wahrgenommen als mein Kopf es begreifen kann.

Da vor uns sehen wir die Alpen!

Schneebedeckt und nur sichtbar aufgrund des klaren Himmels. Unglaublich schön. Sie wirken so fern und doch so nah. Einer unserer Stegnachbarn hat erzählt, dass man von dem höchsten Berg des Naturparks den Mont Blanc sehen kann. Da wir jetzt nur auf einem kleinen Weinberg stehen, haben wir überhaupt nicht damit gerechnet die Alpen erspähen zu können. Aber wir sollten uns irren. Da sind sie und ich kann mich garnicht satt sehen. Jeder nächste Schlängel des Wegs gibt eine neue Perspektive frei und enthüllt immer mehr der weißen Gipfelkette. Beim Abstieg des Weinbergs kommt noch die Sicht auf die Rhône dazu.

Leider haben wir unsere gute Kamera nicht dabei und die Handykamera musste herhalten. Aber auf einem Bild erwische ich einen Olivenbaum und die Weinstöcke im Vordergrund und die Rhône, den Sportboothafen mit Scarlett und die Alpen im Hintergrund. Ich freue mich wie ein Honigkuchenpferd!

Wir setzen uns in einen Weinberg, packen unseren Proviant aus und genießen die Sonne auf dem Gesicht. Mit solchen Wanderungen und dem herrlichen Wetter ließ es sich hier bestimmt wunderbar aushalten. Naja wie ihr euch wahrscheinlich schon denken könnt, kam dank Corona und Ausgangssperre in Frankreich alles anders als geplant.

Wie für jeden von uns…

6.-8.03.2020

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