Die letzten Rheinschleusen

Kaum war der Tiger zurück im Tank, ging es weiter. Es lagen noch die letzten drei Rheinschleusen vor uns, danach erwartete uns die schleusenlose Freiheit.

Trotz der Staustufen hatte der Rhein hier teilweise 10 km/h Strömung. Man was hatten wir doch ein Glück dass wir uns im Herbst gegen ein weiteres Fahren auf dem Rhein, und stattdessen für die Mosel entschieden hatten. Hier wären wir niemals gegenan gekommen! Dies bedeutete nun aber auch für uns, dass wir nur einen Versuch hatten um in einen Hafen zu kommen, sonst würden wir vorbeigespült werden und müssten es beim nächsten versuchen 😀

Von Straßburg sahen wir nicht sehr viel, alles rauschte an uns vorbei.

Die beiden Schiffe auf dem folgenden Foto verfolgten uns beinahe den ganzen Rhein herunter. Wir hatten wohl alle drei eine ähnliche Geschwindigkeit.

Der Schwarzwald tauchte am Horizont auf und verschwand wieder…

Düstere Regenwolken zogen vorbei, doch wollten uns die Flußgötter nach dem Dieselpest-Schock wohl verschonen. Wie durch Zauberhand wurden wir nicht nass, obwohl es links und rechts kübelte und donnerte.

Nur bei der letzten Rheinschleuse – Iffezheim – holte uns kurz ein Schauer ein.

Hier verpassten wir leider die Einfahrt, obwohl eigentlich noch genug Platz für uns gewesen wäre. Das Problem war anscheinend, dass sich jeder zwingend anmelden musste – egal ob über Funk oder Telefon. Da in unserem vier Jahre alten Flussführer anscheinend ein alter Funkkanal eingetragen war, erreichten wir sie nicht, und auch die Telefonnummer war nicht schnell genug herausgesucht. Deshalb hieß es: warten! Zum Glück gab es hier einen Warteponton für Sportboote. Diese Schleusung dauerte zwei Stunden. Die Schleusenkammern waren so riesig (270 m x 28 m), dass mehrere große Schiffe hineinpassten. Die mussten eben auch alle heraus- und hereinfahren, an- und ablegen. Außerdem war nur eine der beiden Kammern in Betrieb. Als die Schleuse endlich oben aufging, fuhren 5 (!!!) große Rheinschiffe heraus. Das war ein wirklich beeindruckendes Spektakel, wir waren froh das zu erleben und die erste Schleusung verpasst zu haben.

Mit uns fuhren vier andere große Schiffe herein, und dennoch war für uns noch genügend Platz am Ende der Schleuse. Bevor wir rein sind, legte hinter uns noch ein Tankschiff an, und die Mannschaft genoss ein wenig Landgang. Ich glaube sie hätten sich gerne noch länger mit uns unterhalten, aber über Funk hieß es dann schon „Sportboote bitte einfahren“.

Beim Einlaufen in die Schleuse gab’s dann nochmal kurz Heck-Meck. Ich hatte vorbildlich gewartet bis das letzte Schiff vor uns eingelaufen war und bin dann ganz langsam hinterher, um nicht in deren Schraubenwasser zu kommen. Normalerweise legen wir an sobald das Schiff vor uns die Schraube zum stehen gebracht hat, weil es sonst ziemlich heftige Verwirbelungen im Wasser in der beengten Schleusenkammer gibt. Dieses mal winkte der Schleusenmeister jedoch und meinte, wir sollten rein und anlegen. Grrmpf! Nagut, dann los. Vorsichtig rantasten, und zack, wurde unser Bug von den Verwirbelungen in Richtung Beton-Schleusenwand katapultiert. Zum Glück hat unsere Schöne ein ansonsten wirklich unnötiges Luxusteil eingebaut: den Bugstrahlen. Hier rettete er Scarlett davor, mit dem Gesicht zu bremsen. Ich schaffte es, den Bug abzubremsen, doch jetzt wurde wir seitwärts an die Wand gedrückt. Es platzte zwar kein Fender, doch die Seitenströmung war so groß dass wir weder vorwärts noch rückwärts konnten. Und zu allem Übel rief der Schleusenmeister, wir sollten doch bitte endlich weiter und am Schwimmpoller anlegen. Da rief ich etwas verärgert zurück, dass das Schraubenwasser vom Vordermann noch zu stark war. Hat er dann auch erkannt, und kleinlaut klein beigegeben. Hab mich echt ein bisschen geärgert weil ich auf ihn gehört habe, wir hätten einfach noch etwas warten sollen. Naja, irgendwann war der Vordermann dann auch fertig und wir konnten die restlichen 5 Meter an der Wand lang fahren.

Beim herausfahren aus der Schleuse war es genauso voll, es warteten locker 5 Schiffe auf die Einfahrt. Das eine Schiff versetzte uns dann nochmal einen kleinen Schock, als es in die Schleuse einfahren wollte obwohl wir noch drin waren. Zum Glück schreitete der Schleusenmeister energisch über Funk ein, und wies den Kapitän zurecht.

Unser Liegeplatz für die Nacht lag kurz hinter dieser Schleuse, nahe Baden-Baden, auf der französischen Seite. Es sollte unser letztes Mal auf französischem Boden sein, und wir wurden mit einem herrlichen Ausblick von unserem Liegeplatz aus verabschiedet.

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