Marstal

Den nächsten Morgen lassen wir entspannt angehen. Wir frühstücken in der Sonne während um uns herum das Hafenkino beginnt. Immer mehr Yachten legen ab. Wo die wohl alle so früh hinwollen?

Wir legen um 10:30 gekonnt ab. Raus aus dem Hafen und Vorsegel raus. Was für ein schönes Gefühl. Motor aus und Stille genießen. Immernoch ist es ungewohnt so ganz ohne brummende Motorgeräusche vorwärts zu kommen. Der Wind ist nicht besonders stark aber das stört uns garnicht, da wir schließlich nur auf die nächste Insel nach Æro wollen. Also keinen Stress. Wir lassen die anderen beiden Segel eingepackt, da sie bei dem achterlichen Wind das Vorsegel abdecken würden und wir sie für unser Ziel nicht zum Höhelaufen brauchen. Wir schippern so vor uns hin und lassen uns von anderen Booten mit ihren riesigen Spinnakersegeln überholen. Aber das stört uns nicht. Wir genießen die Ruhe und den Frieden auf unserer Scarlett. Von der Seite pircht sich das kleine Folkeboot an. Die beiden winken fröhlich und fragen, ob sie ein Foto von uns machen sollen. Wie cool ist das denn!? Da sagen wir nicht nein und lichten die beiden auch gleich mal in voller Fahrt ab. Wirklich coole Idee.

So oft bekommt man nicht Fotos von sich selbst beim Segeln 🙂
Vielen Dank an unsere beiden vorbeiziehenden Fotografen!

Als wir das enge Fahrwasser vor Marstal (auf der Insel Æro) passieren, erhaschen wir einen ersten Blick auf das dichte Mastenfeld im Hafen von Marstal. Uff, das sieht voll aus. Auch das Fahrwasser vor uns ist gut gefüllt, da hier jeder durch muss, der die dänische Südsee von dieser Seite entern will. Im Hafen bestätigt sich dann, was wir schon erwartet haben. Er ist zwar deutlich größer als der in Bagenkop aber auch deutlich beliebter wegen der Umgebung. Trotz der achthundert Boxen ist alles voll und das schon um 14 Uhr. Wir fahren alle Schläuche ab. Vor uns fährt gerade einer raus, wir sehen das aber zu spät und so bekommt die Yacht direkt hinter uns den Platz. Das ist doof gelaufen. Diese Situation erinnert an Parkplatzsuche in der Innenstadt zur Feierabendszeit. Wer schnell, wendig und aggressiv ist kriegt den Platz. Wir sind nichts davon. Anstatt noch weiter Kreise zu ziehen, fragen wir eine große Motoryacht, die auch schon etwas fragwürdig am Kopfsteg angelegt hat, ob wir längsseits gehen können. Zum Glück sind sie super hilfsbereit und haben kein Problem damit. Sie helfen uns mit den Leinen und schon sind wir in einem netten Gespräch mit der Familie. Sie erzählen, dass der Hafen schon um 12 Uhr propenvoll war. Aha daher haben alle im Morgengrauen ablegt und das nennt man dann Urlaub?! Ich bin schockiert. Ich war bisher nur im Mai oder September in der dänischen Südsee unterwegs und weiß jetzt auch warum. Dann war immer alles verschlafen und entspannt. In der Hochsaison und Ferienzeit in Norddeutschland und Dänemark ist es die Hölle, super voll und dermaßen unentspannt. Mein Bild der dänischen Südsee droht rapide zu sinken. Richtung Norden soll es besser werden sagen unsere Längsseitsgastgeber. Sie haben schon seit drei Wochen Urlaub und waren bis zum Lymfjord vorgedrungen (ganz im Norden von Dänemark, verbindet Ostsee mit Nordsee). Na das macht ja Hoffnung. Erstmal haben wir einen Liegeplatz. Wir laufen über das Deck der anderen, erklären deren Hund, dass wir keine Feinde sind und machen uns auf zum Hafenmeister. Nach dem Bezahlen schlendern wir am Strand entlang, legen uns auf den Sand und machen erstmal ein Mittagsschläfchen. Das ist nötig. Aber so richtige Entspannung will nicht aufkommen, bei den vielen Leuten und deren Gewusel. Wenig entspannt ist die Vorstellung in den nächsten Wochen immer um einen Liegeplatz kämpfen zu müssen oder ständig zu denken zu spät dran zu sein. Erstmal checke ich, wann die Ferien vorbei sind. Anfang August dürfte sich das beruhigen. Na mal sehen. Eigentlich wollen wir uns ja nur minimal in Häfen aufhalten aber die Einreisebeschränkungen geben uns das erstmal vor. Wobei wir das Gefühl haben, dass das hier weder die eingereisten Deutschen noch die Dänen interessiert.

Nach unserem Nickerchen schlendern wir durch die süße Kleinstadt und fallen abends tot müde ins Bett. Da unsere Gastgeber früh Richtung Deutschland aufbrechen wollen, legen wir noch früher ab um den Weg frei zu machen und verholen uns in eine andere nun freie Box. Hier ist auch die Aussicht auf die angeschlossene Bucht viel schöner.

Wir packen unsere Strandsachen und ab geht’s. Heute wollen wir einfach nichts tun. Faulenzen, Lesen, mit den Füßen durch die Ostsee waten… Urlaubskram halt.

Auf dem Rückweg suchen wir unser Volkebootpärchen im Hafen. Trotz der großen Marina müssen wir garnicht lange suchen. Wir werden aufs Boot eingeladen und sind ordentlich am Schnacken. Sie zeigen uns stolz ihr Herzblut-Volkeboot und erzählen so einige Segelstories.  Außerdem sind sie sehr daran interessiert, wie es so ist so lange an Bord zu wohnen, seinen Job zu kündigen und was wir schon so alles erlebt haben. Jedes Mal, wenn wir erzählen was wir machen, bekommen wir anerkennend bescheinigt, dass es genau das Richtige ist und wir den Neid der anderen auf unserer Seite haben. Irgendwie ein schönes Gefühl und doch wissen wir nie so recht, was wir darauf antworten sollen. Für uns fühlt sich das gerade eher wie Normalität an. Wir tauschen noch die Telefonnummern aus, damit die geschossenen Fotos versendet werden können. Schön solche Hafenbekanntschaften 🙂

Außerdem steht noch Wäsche waschen und Motorölwechsel auf dem Plan. Ölwechsel macht ja immer besonders viel Spaß… nicht. Aber mit unserem neuen Tool (haben wir nach Lübeck bestellt) ist es wirklich easypeasy. Die manuelle Handpumpe sorgt für eine leere Ölwanne in wenigen Minuten und das ohne kleckern und tropsen. Das haben die vielen geliehenen elektrischen Ölpumpen in der Vergangenheit nicht hinbekommen. Weils so Spaß macht wechseln wir gleich noch das Getriebeöl und fetten die Welle. Jetzt ist der Motor wieder in Glanzform. Morgen wollen wir weiter Richtung Svendborg in der Hoffnung die Ferienurlauber immer weiter abzuschütteln.

Klick aufs Bild 😉 © OpenStreetMap contributors

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