Århus und die kleine Insel Hjelm

Heute soll es in einen Hafen von Århus gehen. Eine größere Stadt und ein Stadthafen sind vielleicht nicht die beste Idee bei 28°C, aber es muss sein. Das letzte Mal waren wir vor 12 Tagen im Hafen.

Sonnenaufgang in der Knebelvig

Wir sind ziemlich stolz, dass wir mittlerweile so autark sind. Unsere Solarzellen an Bord generieren so viel Energie, dass wir selbst im Hafen nie den Landstrom anschließen. Unser Trinkwasser bewahren wir in Kanistern auf und haben daher immer volle Übersicht wieviel Wasser wir noch haben. Abgewaschen wird mit Seewasser. Keinen Kühlschrank zu haben ist zwar etwas umständlicher bei so hohen Wassertemperaturen, aber trotzdem haben wir uns gut angepasst. Ich hab ein paar Rezepte in der Hinterhand, die man super mit haltbaren Gemüsesorten oder trockenen Lebensmittel machen kann. Wenn wir die Gelegenheit haben direkt vorm Kochen einzukaufen, ist der Rezeptvielfalt, dank unseres Gasherds mit zwei Kochplatten und Ofen, keine Grenzen gesetzt. Generell leben wir ziemlich nachhaltig und fast emissionslos (außer furzen) seitdem wir letzten Oktober aufgebrochen sind. Wir verbrauchen kaum Frischwasser, da das meiste durchs Meer geregelt wird. Wir schmeißen den Motor nur sehr ungern, selten und kurz an und bewegen uns sonst nur mit dem Wind fort. Wir essen kaum Fleisch oder Milchprodukte – die würden ohne Kühlschrank einfach weggammeln. Wir kommen selten in die Verlegenheit uns neue unnötige Dinge anzuschaffen und zu konsumieren. Wenn man mit dem Boot von A nach B pendelt, kann man nicht mal eben was bestellen. Das einzige was uns wirklich erschreckt ist die Menge an Müll, die wir im normalen Leben produzieren. Da wir den nur im Hafen entsorgen können, sehen welches Ausmaß sich da immer ansammelt. Und obwohl das eigentlich nur Müll des täglichen Gebrauchs ist, ist es nicht gerade wenig.

Aber zurück zum heutigen Segeltörn. Wir legen unter Segeln in der Knebel Vig ab und sind eigentlich schon wieder viel später dran als geplant. So ein Hafentag bringt für uns eine Menge „toDo`s“ mit sich und so kann der Tag schnell viel zu kurz oder stressig werden. Schnell müssen wir den Motor anschmeißen, da der Wind zu schwach ist und wir kaum vorwärts kommen. Dieser brummende Zustand hält zum Glück nur eine halbe Stunde an, denn da ist doch mehr Wind als erwartet. Wir ziehen alles hoch, was unsere Scarlett an Segeln zu bieten hat. Nach einigen Minuten sehen wir zwei Flossen durch das Wasser schießen und da noch welche und da und da. Kreuz und quer schwimmen die Schweinswale nicht weit entfernt von uns durchs Wasser. Scheinbar jagen sie gerade gemeinsam. Zum Glück ist unser Motor schon aus, sonst hätten wir sie eventuell verjagt.

Hallo Århus!

Nach drei Stunden erreichen wir den großen Stadthafen von Århus. Hier ist viel los auf dem Wasser. Das Wetter ist bombastisch und so tummeln sich Kajaks, SUPs und andere Boote im und um den Hafen. Bevor wir uns eine Box aussuchen fahren wir erstmal an den Tankstellensteg. Wir brauchen etwas Diesel, da wir nur noch 15 Liter haben. Der Hafen ist in viele kleine Segmente aufgeteilt, die den einzelnen Vereinen gehören und verschiedensten Service anbieten. Wir suchen uns ein schönes und günstiges Plätzchen im hinteren Teil des Hafens. Am liebsten hätten wir beim Holzbootverein festgemacht, aber da war leider alles voll.

Erstmal brauchten wir eine Dusche und dann galt es unsere Berge an Wäsche zum nächsten Waschsalon zu hieven. Das übernahm Paul während ich zum Supermarkt stratzte und schonmal die erste Fuhre Lebensmittel besorgte. Uff war das warm. Jeder Schritt fühlte sich doppelt so anstregend an und die Sonne brannte auf einen herunter. Eigentlich ein perfekter Tag um im Schatten zu liegen und ab und zu von Bord zu springen. Naja was solls. Laut Wettervorhersage können wir das die nächsten Tage auch noch machen. Wir hängen die Wäsche auf, die innerhalb von Sekunden trocken sein dürfte.

Waschtag
Vitamine sind wieder aufgefüllt

Dann noch schnell in die Stadt. Gleich machen die Läden zu aber ich wollte unbedingt noch nach einem Schwimmring gucken. In letzter Minute und nur wegen des Tipps einer Ladenverkäufern hatte ich ihn endlich in den Händen. Er ist riesig und hat bewegliche rosa Glitzerpartikel im Inneren. Besser hätte ich ihn mir nicht erträumen können. Paul ist auch ganz glücklich, dass ich ihm mit dem Wunsch nach einem Spiel-Spaß-Bade-Gerät jetzt nicht mehr ständig auf die Nerven gehe. Alle sind glücklich.

Wir schlendern noch etwas in der wirklich schönen Stadt herum, bekommen jedoch lediglich nur eine Ahnung von ihr. Diese Ahnung lässt uns aber glauben, dass wir definitiv nochmal hierher zurückkommen, um der Stadt die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Schließlich ist sie eine Partnerstadt von Kiel. Auf dem Rückweg zum Boot besuchen wir noch eben einen Supermarkt und packen unsere Rucksäcke voller leckerer Sachen. Dann können wir durchatmen. Alles Geplante ist erledigt und wir sind es auch. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen nochmal eine Runde durch den Hafen zu drehen, um in der abendlichen und etwas kühleren Stimmung die Boote zu begutachten. Besonders der Holzbootsteg hat es uns angetan. Hier liegen große wie kleine Schönheiten. Der Steg liegt voller Werkzeug und angefangener Projekte. Da fühlen wir uns gleich wohl. Scheinbar wohnen hier auch Einige auf ihren Booten, denn am Clubhaus hängen einige Briefkästen. Wieder einmal fragen wir uns, warum das in Kiel eigentlich nicht so ist.

SUP-Fahren quer durch die Stadt

Am nächsten Morgen bleibt uns nur noch den Müll der letzten Tage zu entsorgen und unsere Wasserkanister wieder aufzufüllen. Paul läuft noch schnell zum Fischladen (direkt an unserem Steg) und jagt uns jeweils zwei geräucherte und zwei frische Makrelenfilets zu einem ziemlich günstigen Preis. Später erfahren wir von einem Deutschen, der in Dänemark lebt, dass die Dänen deutlich mehr Fisch exportieren als konsumieren. So fischig sind sie garnicht eingestellt und wenn dann wollen sie den edlen Fisch wie Lachs… Daher hat man als Makrelenliebhaber immer gute Chancen, den unbeliebten Fisch günstig zu bekommen, so sagt er.

Wir sind jedenfalls bestens ausgestattet und motoren aus dem Hafen. Beim Motoren wird es heute wohl zum großen Teil bleiben. Der Wind ist wenig und kommt genau aus unserer Zielrichtung.

Hjelm soll es heute sein. Die kleine Insel liegt vor der Küste von Jütland im Kattegat und ist unser Zwischenziel auf dem Weg zur Insel Anholt. Anholt befindet sich noch mittiger im Kattegat und soll unser Sprungbrett nach Schweden sein. Aber das ist Zukunftsmusik. Erstmal motoren wir einige Stunden entlang der südlichen Küste von Jütland. Die großen Schnellfähren passieren uns einige Male. Zwischendurch gibt es die gräucherte Makrele auf dänische Art mit Knäckebrot.

Als wir endlich an der Küste nordlich von uns vorbei sind, können wir unseren Kurs ändern und Segeln. Hier ist das Wasser ziemlich flach und es bauen sich von jetzt auf gleich garnicht so kleine Wellen auf.

Hjelm in Sicht

Um 16 Uhr fällt der Anker an der Westküste von Hjelm und wir sind voller Vorfreude auf diese niedliche kleine nahezu unbewohnte Insel. Sie ist Privatbesitz und nennt nur ein größeres Haus am Strand, ein kleineres Haus im Wald und einen Leuchtturm ihr Eigen. Die Eigner nutzen sie als Sommerresidenz und haben sie netterweise der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Sie gehört zu den Inseln Dänemarks, die man nur mit dem eigenen Boot bereisen kann, was sie natürlich für uns noch besonderer macht. Es gibt keine Fährverbindung, keinen Flugplatz und nichtmal einen Steg zum Anlegen. Ich frage mich, wie die Besitzer auf ihre Insel kommen. Wir jedenfalls kommen dank Kevin dorthin. Schon beim Rübersetzen sehen wir, wie glasklar das Wasser ist. Sobald der erste Fuß an Land ist, ist er eigentlich auch schon wieder im Wasser. Erstmal abkühlen (soweit das bei den Wassertemperaturen möglich ist) und dieses unglaublich schöne klare Wasser genießen. Mir war ehrlich nicht bewusst, dass die Ostsee soo tolle Badequalität haben kann.

Und los geht die Inselerkundungstour. Wir laufen im Uhrzeigersinn Richtung Norden. Nach einigen hundert Metern rennt plötzlich ein Ziegenbock auf den Weg. Er ist noch ein gutes Stück von uns entfernt aber möchte dies wohl gern ändern. Denn er guckt uns an und rennt auf uns zu. Wir sind zu Salzsäulen erstarrt. Ich hatte zwar einiges über die Insel gelesen aber von Ziegen stand da nichts. Noch dazu waren wir offensichtlich allein auf der Insel und auch das einzige Segelboot in der Bucht. Da überlegt man schon mal kurz, ob das alles so richtig ist. Der Ziegenbock beschließt erstmal ne Pause einzulegen und uns einfach nur anzustarren. Mir ist das nicht ganz geheuer und so drehen wir um und laufen einfach gegen den Uhrzeigersinn um die Insel. Bestimmt ist der aufgeschreckte Bock dann nicht mehr da. Also stapfen wir in die andere Richtung weiter. Dann merken wir, dass die Ziegen wohl zum Inventar der Insel gehören. Schnell stoßen wir auf eine große Herde und entdecken immer mehr Tiere. Ich schätze mal es sind um die 100 Ziegen auf der Insel. Wahrscheinlich noch mehr, da sich viele im Wald verstecken. Komischerweise beruhigt mich die Vorstellung von einer riesigen Zeigenherde mehr als von einem einzigen angriffslustigen Ziegenbock, der hier sein Unwese treibt und der Wachhund der Insel sein möchte. Auch Fasane laufen hier rum. Die Umgebung erinnert uns an die Savanne, zumindest so wie man sie sich vorstellt, und die Ziegen geben hervorragende Antilopen ab.

Wir umrunden die Insel und bekämpfen den gigantischen Inselberg (eher Hügel) bis wir wieder in unsere Ankerbucht zurückkommen. Die ist inzwischen gut besucht. Unter anderem hat ein Traditionssegler direkt neben uns geankert. Zum Glück haben wir die Insel gerade noch für uns allein gehabt, bevor alle anderen auf sie stürzen.

Angekommen auf Scarlett mach ich mich an die Makrelenfilets. Dazu gibt es Halloumikäse, Salat und Portwein. Der Ankerplatz ist leider sehr schaukelig, was nicht am Wind sondern eher an der Strömung liegt. Dank des Winds liegen wir quer zu den Wellen und Scarlett schaukelt sich so richtig auf. Garnicht so einfach so zu kochen. Geschmeckt hats trotzdem und wir genießen den Sonnenuntergang an dieser schönen Insel.

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